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Ein Praktikum in Nigeria

Schon längere Zeit ist bei den beiden Ärztinnen Dr. Maria Gruber, Turnusärztin im Landesklinikum Waidhofen/Ybbs, und Dr. Angelika Broidl, Assistenzärztin der Pädiatrie im LK Amstetten, der Gedanke gereift, Medizin außerhalb der „Überflussgesellschaft“ zu erfahren und auch zu praktizieren, um sich wieder mehr auf seine Sinne als Mediziner zu verlassen.


Dr. Maria Gruber, Dr. Angelika Broidl

So machten sie sich nach etlichen organisatorischen und auch bürokratischen Hürden Ende Februar 2013 auf den Weg nach Nigeria, um dort im „Sacred Heart Hosptal“ in Abeokuta (ca. 100 km nördlich von Lagos) ein freiwilliges Praktikum der „etwas anderen Art“ zu absolvieren.

Anfangs hatten die beiden Ärztinnen neben der extrem feuchten Hitze, den Verständnisschwierigkeiten, den wiederkehrenden „power cuts“ (=Stromausfälle), den ihnen unbekannten Tropeninfektionen – in Österreich längst vergessene Kinderkrankheiten – und der minimalistisch angeordneten Diagnostik zu kämpfen. Die Patienten müssen sich in Nigeria alles selbst bezahlen und sich auch um Essen und sogar Bettwäsche selbst kümmern. Auch gibt es in Nigeria keine Schwangerenvorsorge, weswegen viele Not-Kaiserschnitte durchgeführt werden müssen, und die Neugeborenen teilweise in schlechtem Zustand das „Licht der Welt“ erblicken. 

Dank der ausgezeichnet ausgebildeten, dort heimischen Ärzte haben Gruber und Broidl viel Einblick in die Therapie verschiedenster Krankheiten (z. B. Malaria, Tetanus, Masern, Meningitis, Sichelzellenanämie etc.) bekommen und teilweise auch selbst Visiten geführt und ambulante Patienten behandelt.

Broidl über ihre persönlichen Erfahrungen: „Wir haben viele neue Freunde und Kollegen gewonnen und werden diese Herzlichkeit, die wir trotz der großen Armut und des unendlichen Leids vieler Patienten und Angehörigen erfahren durften, niemals vergessen. Einzig unsere durch die angespannte politische Situation eingeschränkte Freiheit hat uns sehr gefehlt … Alles in allem war unser zweimonatiger Aufenthalt in Nigeria aber eine prägende Lebenserfahrung, die uns niemand mehr nehmen kann!“