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Gütesiegel „Qualitätsgesicherte Hernienchirurgie“

Seit Januar 2013 nimmt die Abteilung für Allgemeinchirurgie des LK Waidhofen/Ybbs an der Qualitätssicherungsstudie Herniamed der Deutschen Gesellschaft für Hernienchirurgie teil.


Im Juni dieses Jahres war der erste Teil der Zertifizierung abgeschlossen und die Abteilung für Allgemeinchirurgie  unter der Leitung von Prim. Dr. Stefan Leidl erhielt das Gütesiegel „Qualitätsgesicherte Hernienchirurgie“. 

Das Zertifikat wird an Kliniken und Praxen vergeben, die große fachliche Erfahrung nachweisen können sowie weitere Auflagen, wie z.B. die Teilnahme an vorgegebenen Kongressen und Fortbildungsveranstaltungen, erfüllen. Die Zertifizierung selbst läuft mit dementsprechenden Kontrolluntersuchungen über mehrere Jahre, wobei mindestens 60% der PatientInnen nachkontrolliert werden müssen. Das Endziel ist das Referenzzentrum  Hernienchirurgie. 

Das internetbasierte Qualitätssicherungsprogramm für die Leisten und Bauchwandbruchchirurgie soll die Qualität der Patientenversorgung verbessern und rezente Daten für die Versorgungsforschung liefern. 

Gerade die Bruchchirurgie ist im Gesundheitswesen ein großer sozioökonomischer Kostenfaktor, da trotz neuer, moderner Operationsmethoden sich an der Dauer der Krankenstände nicht viel geändert hat. Ein Drittel der Bevölkerung erkrankt im Laufe seines Lebens an einer Hernie, alleine in Österreich werden ca. 25.000 bis 30.000 versorgt, mit mehr oder weniger guten Ergebnissen. Auch ist die Rate an wiederaufkehrenden Brüchen,  vor allem bei Narben und Nabelbrüchen, trotz Verbesserungen der OP-Technik nicht zufriedenstellend. „Die Verleihung des Gütesiegels ist eine große Ehre für unsere Chirurgie, denn dies würdigt unser gemeinsames Bemühen um erstklassige chirurgische Versorgung unserer PatientInnen“, sagt Prim. Dr. Stefan Leidl, Leiter der Abteilung für Allgemeinchirurgie. 

Die rechtzeitige Operation eines Bruches ist die einzig gültige Therapie, da sich die Bruchlücken unter konservativer Therapie mit Bruchband definitiv nie verschließen. Hier kann es sogar zu drastischen Komplikationen kommen. Bei jedem Eingeweidebruch besteht die Gefahr einer Einklemmung mit lebensgefährlicher Durchblutungsstörung von Eingeweiden. Das Risiko einer Einklemmung liegt bei ca. 3% pro Jahr. Daher sollten symptomatische Brüche immer operiert werden. Moderne minimal-invasive OP-Verfahren, die mit kleinen Schnitten auskommen und somit besonders schonend sind, sind im Waidhofen/Ybbs  seit vielen Jahren Standard. Es wird aber je nach individuellem Befund die für den Patienten  „passende“ OP-Technik (mit und ohne Netztechnik) angewendet.

Bei den meisten PatientInnen mit einem Leistenbruch wird zur Verstärkung der Leiste ein spezielles Netz verwendet, welches etwa halb so schwer ist wie die Standardnetze. Je nach individuellem Befund können PatientInnen mit kleinen Brüchen der Leiste oder Bauchwand auch tagesklinisch versorgt werden. Gerade die tagesklinischen OP-Angebote sollen im Rahmen der Hernienchirurgie weiter ausgebaut werden.