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Kommunikation auf Augenhöhe

Gute Lösungen entstehen nur aus dem Dialog – davon ist DI Franz Laback, MBA, Kaufmännischer Direktor im LK Krems, überzeugt und sieht sich als Berater und Dienstleister.


foto: felicitas matern

1.144 Menschen arbeiten im LK Krems. 188 von ihnen sind dafür zuständig, dass die Infrastruktur für die medizinische und pflegerische Behandlung der Patienten funktioniert – von der Patientenadministration über EDV, Einkauf und Logistik, bis zu Haus- und Medizintechnik, Küche und Finanzen. Sie fallen in die Zuständigkeit des Kaufmännischen Direktors DI Franz Laback, MBA. Der 39-jährige Steirer arbeitet seit fünf Jahren in dieser Funktion. Ist es nicht eine ziemlich trockene Angelegenheit, ein Krankenhaus zu verwalten? „Traditionell gibt es natürlich den Verwalter-Ansatz“, schmunzelt Laback, „ich sehe mich als Berater und Dienstleister, der gemeinsam mit den medizinischen und pflegerischen Experten Lösungen erarbeitet und für deren operative Abwicklung zuständig ist.“

Vom Verwalter zum Gestalter

Als Spross einer musikbegeisterten Familie lernte er beim Cellospielen schon früh, dass man gemeinsam, im harmonischen und gleichberechtigten Dialog weit mehr an Klangfülle erzielen kann als ein Solist. So arbeitet er in intensivem Austausch mit dem Ärztlichen Direktor Prim. Dr. Heinz Jünger und Pflegedirektorin DGKS Siegrun Karner daran, das Landesklinikum weiterzuentwickeln. „Ich war früher der Meinung, dass man als Letztverantwortlicher allein entscheiden muss. Aber das hat sich geändert – dank der unterschiedlichen fachlichen und persönlichen Kompetenzen sind wir kreativer und schaffen eine bessere Qualität.“

Berater & Dienstleister

So hat das Trio die Endoskopie neu errichtet und gestaltet, und zwar im Dialog mit den Anwendern. Ursprünglich hätte sie nur adaptiert werden sollen, nun ist sie in einem anderen Gebäudeteil untergebracht, „wo sich die Räume an den Abläufen orientieren, optimal für Patienten und Mit­arbeiter.“ Die neue Endoskopie ist nun seit zwei Jahren in Betrieb, spürbar effektiver und effizienter und die Zufriedenheit ist laut Laback groß. „Das verlangt natürlich allen Beteiligten bei der Projektplanung eine Menge ab, vor allem einen ernsthaften, offenen Dialog auf Augenhöhe zwischen Ärzten, Pflegekräften und meinem Team. Es geht darum, gemeinsam neu zu denken. Diese Lösungen erzeugen bei der Umsetzung deutlich geringere Widerstände, dafür im Arbeitsalltag mehr Freude.“

Wertschätzung & Vertrauen

Neben der intensiven Arbeit mit den Nutzern im Landesklinikum und dem permanenten Austausch in der Kollegialen Führung schätzt Laback die enge Zusammenarbeit mit dem Regionalmanagement und der Holding-Zentrale: „Wir bereichern uns gegenseitig. Wir versuchen im Landesklinikum, die Strategie bestmöglich umzusetzen, aber auch, den Weg der Holding mitzugestalten – wir stellen uns zur Verfügung für Vorarbeiten, die schlussendlich wesentlich sind für das ganze Land, und haben ein großes Maß an Vertrauen entwickelt.“Laback ist etwa in der ARGE  der Kaufmännischen Direktoren Leiter des Arbeitskreises Controlling  und arbeitet am Management-Informationssystem mit sowie an der Balanced Scorecard, die laufend justiert wird. „Wir testen diese Management-Werkzeuge gründlich, bevor sie auf die Kliniken ausgerollt werden.“ Wesentlich ist es dem Kaufmännischen Direktor, seine Mitarbeiter als Experten zu nutzen, sie sind, wie er selbst, deshalb in diversen Arbeitskreisen der Holding-Zentrale engagiert, etwa bei verschiedenen IT-Projekten. Er motiviert immer wieder, sich zu beteiligen, sein Credo: „Kritisieren ist nur erlaubt, wenn man sich einbringt und bereit ist, mitzugestalten.“

Reden über Ziele

Laback verkörpert mit seiner offenen, zugewandten Art einen neuen Führungsstil, der langsam in den Krankenhäusern Einzug hält. Denn in einem derart komplexen System wie einem Klinikum wird es immer wichtiger, nicht nur das Fachwissen der Mitarbeiter zu nutzen, sondern auch ihre persönlichen Stärken. „Ich versuche maximal über Ziele und nicht über Richtlinien zu steuern und gebe in der Umsetzung dann möglichst Raum zur Eigenständigkeit.“ Dieser Führungsstil werde ihm auch von Regionalmanagement und Holding-Zentrale entgegengebracht. „Eigenverantwortung ist enorm wichtig. Wir können uns Mitarbeiter mit einer nur passiven, abwartenden Haltung nicht leisten – das Umfeld ist zu komplex, um jede Eventualität durch Richtlinien zu regeln.“

Freude an der Arbeit

Der Patient, sagt Laback, ist „die ultimative Entscheidungs-Grundlage. Veränderungen machen wir dort, wo sie letztlich Verbesserungen für die Patienten bringen“. So wurden in die zweimal pro Jahr stattfindende große Austausch-Runde mit etwa 100 Führungskräften im Klinikum zehn zufällig ausgewählte Patienten eingeladen, zu sagen, was aus ihrer Sicht gut läuft und was nicht. „Das hat vielen die Augen geöffnet.“ Viel Positives sei genannt worden – „ein riesiger Motivationsschub für die Mitarbeiter“. Neben konkreten Verbesserungen wie einer besseren Beschilderung sei eines der Folgeprojekte das Thema „Was reden wir Ärzte und Pflegekräfte vor dem Patienten?“ – ein Thema, das auf großes Interesse gestoßen ist und derzeit in interdisziplinären Workshops bearbeitet wird.

Scheitern ist erlaubt

Laback sieht sich – und fordert das auch von den Mitarbeitern so ein – als Dienstleister. Offenheit für neue Organisationsformen ist essenziell, Scheitern erlaubt, postuliert er. Dafür sei Mut nötig, denn nichts zu tun, sei bequemer. Wesentlich sei ihm die Grundhaltung, Veränderungen als Chance zu begreifen. Was sind seine Stärken als Manager? Laback nennt Kommunikationsfähigkeit, Motivation, Umsetzungsstärke und Hartnäckigkeit – „das ist wichtig, weil man für Veränderungen einen langen Atem braucht“. Und seine Schwächen? „Ich bin nicht der Organisierteste und brauche Unterstützung. Aber die bekomme ich von meinem Büro und bin so viel pünktlicher geworden.“ Seinen Ausgleich findet er beim Musizieren und in der Natur – „die bringt mich runter“. Zu Hause kann er richtig loslassen, nimmt weder Arbeit noch Probleme mit – und ist am nächsten Tag mit seinem strahlenden Lächeln wieder ganz da und bereit, sich den herausfordernden Themen zu stellen.

LK Krems: Mitarbeiterzahlen (Köpfe)

Ärzte: 253
Pflegepersonal: 571
sonstiges medizinisches Personal (MTD etc.): 132
wirtschaftlicher Bereich: 188
insgesamt: 1.144

Im kaufmännischen Bereich sind u. a. beschäftigt:
Küche: 28
IT: 6
Medizintechnik: 3
Technik: 22
Logistik (inkl. Patiententransport): 20
Personalmanagement: 5
Sekretariate (inkl. med. Schreibdienst und Patientenadministration): 55

DI Franz Laback, MBA

Der Steirer studierte Telematik an der Technischen Universität Graz und heuerte dann bei der KAGes, der steirischen Krankenanstalten-Gesellschaft, an, wo er zehn Jahre blieb – erst als Assistent des Vorstands, dann als Leiter Medizinische Dokumentation und Controlling und danach als Leiter Strategie, Innovation und Beteiligungen. In dieser Zeit absolvierte er den ersten MBA in Health Care Management, den es im deutschen Sprachraum gab, und zwar an der Berlin School of Economics. Seit 2009 ist Laback Kaufmännischer Direktor im LK Krems.
Laback lebt in Krems, gemeinsam mit seiner Partnerin, und nennt als Hobbys Schilaufen, Tennis und Golf sowie Cello spielen – damit hat er bereits mit vier Jahren begonnen. Noch heute spielt er für sich, sehr gerne die Suiten für Solocello von Johann Sebastian Bach. Und wenn er in die alte Heimat nach Graz kommt, musiziert er im Quartett mit einem Transplantationschirurgen und dessen Schwester sowie einem Nephrologen.