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Schwere Lasten – bunt verpackt: Tipps für die Wahl der richtigen Schultasche

In wenigen Tagen beginnt mit dem Eintritt in die Schule für tausende Kinder in Niederösterreich ein neuer Lebensabschnitt. Viele Taferlklassler fiebern diesem Ereignis bereits seit Wochen entgegen und können es kaum erwarten, ihre neue Schultasche das erste Mal auszuführen. Der Ranzen stellt für die meisten ABC-Schützen ein wichtiges Statussymbol dar, schließlich treten sie mit Schulbeginn in die Welt der Großen ein. Doch bei der Wahl der Schultasche sollte nicht nur auf modernes Design oder schöne Motive geachtet werden, sondern die gute Passform und geringes Gewicht im Vordergrund stehen.


Primaria Dr. Gerda Deistler-Ruß, Leiterin des Institutes für Physikalische Medizin und Rehabilitation

Ob Disneyfiguren, Tiere oder Rennautos – Taferlklassler haben meist die Qual der Wahl bei den umfangreichen Angeboten an Schultaschen. Klarerweise sollte ihnen ihr erster Ranzen gut gefallen, immerhin ist er für die nächsten Jahre ihr täglicher Begleiter auf dem Weg zur Schule. Die Attraktivität alleine sollte jedoch beim Kauf einer Schultasche nicht entscheidend sein. Vor allem das Taschengewicht ist ausschlaggebend, wie Primaria Dr. Gerda Deistler-Ruß, Leiterin des Institutes für Physikalischen Medizin und Rehabilitation am LK St. Pölten, weiß: „Unsere Kinder sollten grundsätzlich nicht mehr als ein Zehntel ihres Körpergewichtes am Rücken tragen, da zu große Lasten besonders bei Heranwachsenden Schäden an der Wirbelsäule und am Bewegungsapparat bewirken können.

Insbesondere bei zierlichem Körperbau  wird das erlaubte Gewicht aufgrund vieler Hefte, Schulbücher und Jausenboxen schnell erreicht. Das  Leergewicht der Schultasche sollte daher 1,5kg und 10-12% des Körpergewichtes des Kindes nicht übersteigen.  Hochformaten von Modellen ist der Vorzug zu geben, da sie das Bewegen im Verkehrsgedränge und in Bussen erleichtern.   Da der Bewegungs- und Stützapparat von Kindern erst mit zunehmendem Wachstum stabiler und belastbarer wird, ist außerdem auf optimale Verteilung der Traglast zu achten. Hierfür müssen beide Traggurte der Tasche verstellbar, breit genug (ca. 4 cm) und  auf  gleiche Länge eingestellt sein,  eine Polsterung der Riemen wäre empfehlenswert. Ungleich  eingestellte Riemen oder das Tragen der Schultasche auf nur einer Schulter führen zu einseitiger Belastung, die Haltungsschäden oder Rückenschmerzen hervorrufen kann.

Wesentlich ist auch, dass der Ranzen im Bereich der Wirbelsäule ergonomisch anliegt.“ Es empfiehlt sich also,  Kinder zum Kauf der neuen Schultasche mitzunehmen und diese mit Inhalt bzw. verschiedener Kleidungsdicke anzuprobieren. Im Sinne der Vorbeugung von kindlichen Wirbelsäulen- und Haltungsschäden rät Primaria Dr. Deistler-Ruß den Eltern auch, sich bei den Lehrkräften zu erkundigen, ob nicht benötigte Bücher und Hefte in der Schule bleiben können. Weiters empfiehlt sie, die Schultasche mit den Schulanfängern  gemeinsam zu packen, damit überflüssige Dinge wie Spielsachen nicht in den Ranzen wandern und die Traglast unnötig erhöhen.

Auch Bewegungsmangel, falsche Sitzhaltung oder inadäquate Lernmöbel können sich negativ auf die Wirbelsäule und den Bewegungsapparat der ABC-Schützen auswirken. „Prävention fängt am Besten schon vor dem Schuleinstieg an. Regelmäßiges Ändern der Sitzposition, entsprechende Oberkörperaufrichtung und ausgewogenes Bewegungsverhalten in der Freizeit, geben Ihren Kindern Kraft, Konzentration und Motivation für die Bewältigung ihrer neuen Aufgaben“, ergänzt Primaria Dr. Deistler-Ruß abschließend.