Weltpoliotag: Kinderlähmung – Nein, Danke!
Am 28. Oktober 2013 fand der Weltpoliotag statt. Zum Thema Kinderlähmung und wie wir uns davor schützen können, informierte Prim. Univ.-Prof. Dr. Karl Zwiauer von der Kinder- und Jugendabteilung im Landesklinikum St. Pölten.
Kinderlähmung, gibt es diese gefürchtete und unheilbare (Kinder)Krankheit überhaupt noch? Ja, natürlich gibt es noch die Poliomyelitis, allerdings nicht mehr in Österreich und in der EU. Kinderlähmung, oder besser Poliomyelitis, ist eigentlich keine Kinderkrankheit, sie war es aber früher, weil es das Kindesalter war, in dem die Menschen den ersten Kontakt mit dem Virus hatten und dann entweder krank geworden sind, oder entsprechende Antikörper (Abwehrkörper) auf die Auseinandersetzung gebildet haben, „still gefeit“ wurden.
Poliomyelitis Viren sind hoch infektiös und werden durch verunreinigtes Wasser oder Nahrungsmittel übertragen, sie vermehren sich dann im Darm der infizierten Person und dringen in das Nervensystem vor. Im Zentralnervensystem, im Gehirn verursacht das Virus schwere Entzündungen, die zu verschiedenen Krankheitsbildern führen können. Am meisten gefürchtet und auch den Namen gebend, sind die typischen motorischen Lähmungserscheinungen von Armen und Beinen, die ein Leben lang bleiben und nicht wieder verschwinden. Im schlimmsten Fall, bei ca. 5-10% der Erkrankungen, ist auch die Atemmuskulatur betroffen, dann ist eine langdauernde künstliche Beatmung notwendig.
Die Poliomyelitis ist eine seit vielen Jahrhunderten bekannte Krankheit: auf Steintafeln stellten schon die alten Ägypter vor fast 3.500 Jahren Personen dar, die an Polio erkrankt waren. Bis in die 1960er Jahre sind auch in Österreich jährlich bis zu 1.000 Personen erkrankt. Mit der Einführung der Polio-Schluckimpfung in Österreich ist es aber dann zu einer raschen Elimination der Erkrankung (Verschwinden) in Österreich gekommen. Der letzte Polio-Fall in Österreich ist 1980 aufgetreten.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in den letzten 30 Jahren massive Anstrengungen unternommen, die Zahl der Poliofälle zu reduzieren, was auch tatsächlich gelungen ist: seit dem Jahr 1988 ist die Zahl der Polioerkrankungen durch großangelegte Impfkampagnen (sogenannten „Vaccination Days“, an denen innerhalb weniger Tage Millionen von Kindern geimpft werden) um 99% gesunken, sodass im Jahr 2012 nur mehr insgesamt 223 Fälle weltweit berichtet worden sind. Im Jahr 2013 sind bisher nur in drei Ländern, Afghanistan, Nigeria und Pakistan, Erkrankungen aufgetreten.
Seit 2002 gehört auch Europa zu den 3 Weltregionen in denen die Polioviren bereits ausgerottet sind. In den letzten Jahren ist es aber immer wieder in unterschiedlichen Ländern, auch in Europa, zu lokalen Einschleppungsfällen gekommen. Ungeimpfte, oder nicht vollständig geimpfte Personen sind im Rahmen dieser importieren Erkrankungsfälle schwerst erkrankt oder verstorben.
In allen Ländern, in denen die Poliomyelitis schon verschwunden ist, so auch in Österreich, wird die Polio-Impfung von der WHO und vom Nationalen Impfgremium bis zur Ausrottung der Erkrankung, die von der WHO in den nächsten Jahren erwartet wird, für Kinder, Jugendliche und Erwachsene weiterhin empfohlen. In Österreich wird im Rahmen der Sechsfach-Impfung die Polio-Impfung im 3., 5. und 12. Lebensmonat geimpft.
Im Schulalter wird die Polio-Impfung ebenfalls mit einer Kombinationsimpfung, der Vierfach-Impfung (gemeinsam mit Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten) im 7. bis 9. Lebensjahr wiederholt. Erwachsene mit einer vollständigen Grundimmunisierung und einer Auffrischungsimpfung im Kindes- oder Jugendalter gelten als vollständig immunisiert. Sie brauchen dann die Impfung gemeinsam mit der Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten-Impfung alle 10 Jahre (ab dem 60 Lebensjahr alle 5 Jahre). Würde die Impfung nicht weiter empfohlen und auch tatsächlich gegeben werden, drohte im Falle der Einschleppung einer Polioerkrankung eine dramatische Rückkehr der Erkrankung und es wären zahlreiche Poliomyelitisfälle in der nicht vollständig geimpften Bevölkerung zu erwarten.






