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Zertifizierte Gewebebank für Schädelkalotten im Landesklinikum St. Pölten

Bereits im September 2011 wurde an der Abteilung für Neurochirurgie im Landesklinikum St. Pölten die Gewebebank für das Lagern von Schädelkalotten nach dem Gewebesicherheitsgesetz zertifiziert. Zwei Jahre später, im September 2013, erfolgte die Rezertifizierung durch die Agentur für Gesundheits- und Ernährungssicherheit (AGES).


(v.l.) Prim. Univ.-Prof. Dr. Karl Ungersböck, Leiter der Abteilung Neurochirurgie am Landesklinikum St. Pölten; Bereichsleitung Margit Steindl; DKGS Karin Holzedl, pflegerische Leitung Neurochirurgie OP; Peter Fink, MAS, Qualitätsmanagementbeauftragter

Als Schädelkalotte bezeichnet man das knöcherne Dach des Schädels, welches einen Schutz für das im Inneren befindliche Gehirn bietet. Wenn es zu schweren Schädelverletzungen, wie z.B. einem Schädel-Hirn-Trauma oder einer Hirnblutung kommt, kann es neurochirurgisch notwendig sein, einen Teil des Schädeldaches während der Operation zu entfernen. Dabei kann es sich um wenige Zentimeter Schädeldach, bis hin zu handtellergroßen Stücken, handeln. Diese Schädelkalotten werden bis zur Reimplantation bei minus 80° in speziellen, zertifizierten Tiefkühlschränken gelagert. 

Das Zertifikat war der krönende Abschluss eines sehr ehrgeizigen Projektes mit dem Ziel, auch die externen Entnahmeteams an den unfallchirurgischen Abteilungen in den Landeskliniken Amstetten, Horn und Mistelbach zu integrieren. Dazu waren unter anderen aufwendige Validierungen des Transportsystems erforderlich. 

Im September 2013 fand die periodische Inspektion durch die Agentur für Gesundheit- und Ernährungssicherheit (AGES) gemeinsam mit Prim. Univ.-Prof. Dr. Karl Ungersböck (Abteilungsleitung), QMB Peter Fink, MAS (Qualitätsmanagementbeauftragter) und DKGS Karin Holzedl (pflegerische Leitung Neurochirurgie OP) statt. 

„Beeindruckend wie hier Qualitätsmanagement (QM) gelebt wird und wie das Gewebesicherheitsgesetz umgesetzt wurde“, so die Aussage der AGES. Besondere Aufmerksamkeit erhielten bei der Inspektion das QM-System, die periodischen Schulungen und die Gerätequalifizierungen. Ein maßgeblicher Bestandteil für die Umsetzung des Gewebesicherheitsgesetzes ist ein gefordertes QM-System. Darin sind die Tätigkeiten der Berufsgruppen schriftlich dargelegt und es wird vor Ort danach gearbeitet. Sämtliche QM-Dokumente sind im elektronischen Dokumentenlenkungssystem zugänglich, und jeder Anwender hat somit die Garantie, dass er nur die jeweils aktuelle Dokumentenversion abrufen kann. 

Um die Schädelkalotten ordnungsgemäß zu verwahren und den erforderlichen Temperaturbereich von minus 80° zu gewährleisten, muss der Temperaturbereich kontinuierlich überwacht und die technische Ausstattung regelmäßig überprüft werden. Diese interne Qualifizierung wird vom Bereich Medizintechnik unter der Leitung von Herrn Armin Fischer, MSc durchgeführt. 

„Mit dem Projekt einer zertifizierten Gewebebank im Landesklinikum St. Pölten, unter Einbeziehung externer unfallchirurgischer Entnahmeteams haben wir in Niederösterreich einen innovativen und erfolgreichen Weg im Dienste der Patientensicherheit beschritten“, so Prim. Univ.-Prof. Dr. Karl Ungersböck, Leiter der Abteilung Neurochirurgie am Landesklinikum St. Pölten.