Die Rekordhalterin
Dr. Susanne Schöberl, Ergebnisqualität-Spezialistin in der Holding-Zentrale, ist die erste Frau in Österreich mit hundert Marathons in den Beinen.

Dr. Susanne Schöberl leitet den Bereich Operative Qualitäts- und Leistungsanalyse der Abteilung Medizinische und Pflegerische Betriebsunterstützung in der Holding-Zentrale. Foto: ZVG
Auf www.marathonaustria.com kann man es nachlesen: Dr. Susanne Schöberl ist im Oktober ihren hundertsten Marathon gelaufen – den Wolfgangseelauf. Sie ist damit jene Frau in Österreich, die die meisten dieser 42,195 km langen Läufe absolviert hat. Auch im Gesamt-ranking liegt sie weit vorne: Nur elf Männer in Österreich sind jemals mehr Marathons gelaufen als sie. Und dabei zählen die Marathons eigentlich nicht mehr zu ihren bevorzugten Läufen, berichtet die 47-jährige St. Pöltnerin. Sie hat sich in den letzten Jahren immer mehr in sogenannte Ultratrails „verliebt“ – Landschaftsläufe, die länger als 42,195 km sind und großteils im Gelände stattfinden. „Die Strecke ist hier immer sehr abwechslungsreich und die Zeitnehmung steht nicht im Vordergrund.“ Wenn Susanne Schöberl von diesen Läufen erzählt, spürt man die Faszination, die sie dafür empfindet. Sprengen Marathons schon das übliche Spektrum, das vielen Hobbyläuferinnen und -läufern vertraut ist, sind Ultraläufe um einiges länger als ein Marathon. Die, die Susanne Schöberl läuft, haben gern einmal eine Streckenlänge von hundert und mehr Kilometern. Davon erzählt die Ärztin mit den langen, blonden Haaren so wie unsereins über Nachmittagsspaziergänge. Rechnet man all ihre offiziell gewerteten Laufstrecken an Marathons und Ultraläufen zusammen, ist das in etwa die Strecke von Lissabon in Portugal bis an die äußerste Festland-Grenze Europas im hohen Norden, im norwegischen Hammerfest. Oder von Seattle im Norden der Westküste Amerikas bis nach Miami/Florida im Süden der Ostküste. Wie viel trainiert sie? „Einmal pro Woche“, lacht sie, „aber dann laufe ich eben gleich einen Marathon.“ Und wenn es keinen passenden Marathon in der Nähe gibt, organisiert sie mit ihrem Partner eben einen, wie auf der Donauinsel oder im Kaiserwald in St. Pölten (siehe Weblink: http://marathon4joy.jimdo.com).
Vegan & glutenfrei
Sehnig wirkt sie, voll Energie und Lebensfreude. Seit 28 Jahren ernährt sie sich vegetarisch, seit dem Frühjahr vegan und glutenfrei – „das hat eine echte Leistungssteigerung gebracht“, betont sie, seither fühle sie sich leichter, „ein gutes Lebensgefühl“. 20 Marathons ist sie heuer bereits gelaufen (Bestzeit heuer 3:52:08), und das als pures Hobby. Denn sie arbeitet in der Zentrale der NÖ Landeskliniken-Holding als Bereichsleiterin der Operativen Qualitäts- und Leistungsanalyse. Bei ihr laufen all jene Daten zusammen, aus denen österreichweit versucht wird, auffällige Ergebnisse der Behandlungsqualität herauszufiltern und sie dann mittels Peer Review Verfahren zu analysieren. Dabei werden Krankengeschichten von Arztkollegen (Peers) analysiert und die Ergebnisse mit den Abteilungsleitern „auf Augenhöhe“ gemeinsam besprochen und Verbesserungspotentiale festgehalten. Schöberl schätzt dieses Werkzeug der gemeinsamen Fallanalysen sehr: „Peer Reviews sind immer eine Chance, Verbesserungspotentiale gemeinsam zu erarbeiten.“ Nach diesen Peer Review Verfahren wird ihr immer wieder berichtet, dass sowohl die Peers als auch jene Ärztinnen und Ärzte, deren Krankengeschichten analysiert wurden, von diesen gemeinsamen Fallbesprechungen sehr viel mitnehmen konnten.
Läufe in allen EU-Hauptstädten
Ihren ersten Marathon bringt Schöberl 1999 hinter sich, sie absolviert damals nach dem Medizinstudium in Wien ihren Turnus im Universitätsklinikum St. Pölten. Sie hat gerade mit dem Laufen begonnen und will sich nach einem halben Jahr Training selbst beweisen, dass sie es schafft. Denn „wer einen Marathon finishen kann, der kann alles schaffen“, ist sie überzeugt. „Das ist nicht allzu gut ausgegangen“, sagt sie heute. Geschafft hat sie es zwar, aber sie hat sich dann lange nicht mehr für die Megastrecke interessiert. Erst ein neuer Mann in ihrem Leben – ihr Lebens- und Laufpartner Wilhelm Braunsteiner – weckt erneut die Marathon-Lust in ihr. Erst sind es viele Halbmarathons, dann die historische Langstrecke. Weil Braunsteiner gern reist, Schöberl sich aber eher als Reisemuffel bezeichnet, kann er sie mit einer besonderen Idee auch für das Erkunden anderer Länder begeistern: Marathons laufen in allen EU-Hauptstädten. Diesem Ziel ist das ausdauernde Paar bereits nahe: 2007 haben sie damit begonnen, im kommenden Jahr wollen sie es erreichen – und sind dann vermutlich das erste Paar, das gemeinsam in allen EU-Hauptstädten einen Marathon gelaufen ist. So kommt Schöberl auf 59 beendete Marathons in Österreich und 41 im restlichen Europa – von Schweden bis Malta, von Deutschland bis Griechenland. Ihr schönster Städtemarathon war der in Paris, „dort läuft man an allen Sehenswürdigkeiten entlang – das ist eine besondere Art des Sightseeings.“ Sie mag diesen besonderen Städtetourismus, weil sie so in Städte kommt, in die sie sonst eher nicht käme, wie zum Beispiel nach Zagreb. Ihr außergewöhnlichster Lauf war der Neujahrsmarathon in Zürich mit Start punktgenau zum Jahreswechsel.
Am liebsten immer bergab
Als den einfachsten Marathon bezeichnet sie den Pitztaler Gletschermarathon, „weil dabei geht es fast nur bergab“, und das liebt sie. Ihre Knie haben damit kein Problem, lacht die Ärztin. Obwohl sie gerne an Bergmarathons teilnimmt, „zählt das Bergauflaufen nicht zu meinen Stärken, da fehlt mir die Kraft in den Beinen. Wird’s zu steil, gehe ich einfach.“
Und wie ist das nun mit den Ultraläufen? Wie schafft man das überhaupt, sechs oder zwölf Stunden zu laufen? 15 Ultras hat sie bereist absolviert, schwärmt von der Veitsch, dem Mozart 100, dem Wörthersee Trail, den „100 km Biel“ oder den „12 Stunden von Langenzersdorf“. „Ich suche mir immer Ziele – nur aus Gaude laufe ich nicht.“ Als ihr größtes Abenteuer bezeichnet sie den „Dirndltal Extrem“ mit 111 km Länge und 5.000 Höhenmetern, direkt vor der Haustür im Pielachtal. „Das war ein unbeschreibliches Erlebnis. Die Veranstalter haben einen perfekten Lauf organisiert und uns liebevoll bei den Labstellen betreut. Weil man in der Nacht mit Stirnlampe und mehr oder weniger alleine läuft, wurde der Weg mit „Katzenaugen“ markiert. Nach 19 Stunden war ich im Ziel und um eine schöne Erfahrung reicher.“
Informationen:
www.teamvegan.at
marathon4joy.jimdo.com





