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Die Zukunft mitgestalten

Daniela Schnell ist die neue Direktorin der Gesundheits- und Krankenpflegeschule Wiener Neustadt.


Sie ist ausgebildete Gesundheits- und Krankenschwester und hat ein AHS-Lehramtsstudium abgeschlossen. Was nach einer ungewöhnlichen Kombination aussieht, das ist heute die große Stärke von Daniela Schnell: Die 45-Jährige ist seit 1. Februar Direktorin der Gesundheits- und Krankenpflegeschule Wiener Neustadt. Ihr wichtigstes Ziel ist, die jungen Menschen optimal auf ihre künftigen und sich gerade stark verändernden Aufgaben vorzubereiten. „Die Zukunft denken“ formuliert das die sportliche Powerfrau: „Die Pflege wird immer komplexer, muss immer mehr leisten. Wir müssen uns auf die älter werdende Gesellschaft einstellen, künftig viel mehr chronisch Kranke versorgen und uns in der Prävention gut auskennen.“ Vielfältige Aufgaben und zunehmende Spezialisierungen kommen auf die diplomierten Pflegekräfte zu – und auf diese müssen sie in der Gesundheits- und Krankenpflegeschule möglichst gut vorbereitet werden. „Die Zukunft entscheidet sich jetzt“, betont Daniela Schnell, „wir müssen dem Rechnung tragen, gründlich darüber nachdenken und handeln, die künftige Ausbildung im Pflegebereich aktiv mitgestalten.“ Und wie macht man das? „Man lässt den Ideen Raum zu kommen und sich zu entwickeln. Wir alle sind ja Profis in unserem Fach und sehen die Zeichen der Zeit.“ Um inhaltliche Qualität gehe es ihr vor allem, sagt sie, nicht allein um Überschriften. Das bedeute Knochenarbeit.

Theorie und Praxis besser vernetzen

Ganz konkret will sie die Ausbildungsstränge der Theorie und Praxis besser vernetzen. Auch das Training praktischer Fertigkeiten soll mehr gefördert werden. Fallbeispiele und Simulationen, das sind die Stichwörter, um Fähigkeiten und Fertigkeiten optimal trainieren zu können. Da sich das nötige Wissen ständig vermehrt, sei es für die Pflegekräfte der Zukunft wichtig, sich zu spezialisieren: auf die zunehmende Versorgung chronisch kranker Menschen ebenso wie beispielsweise auch auf die von onkologischen Patienten. Auch im Bereich der Gesundheitsprävention kommen neue Aufgabenfelder hinzu. „Wir haben viele Weiterbildungsangebote im Pflegebereich. Ich glaube, da wird sich in den nächsten Jahren aber auch noch sehr viel tun.“

Aus dem Team an die Spitze

Die gebürtige Darmstädterin (Deutschland), die bereits seit 18 Jahren in Wiener Neustadt lebt, freut sich sehr über die neue Aufgabe – und fühlt sich gut vorbereitet und bereit für die Leitungsfunktion. Sie arbeitete als Krankenschwester zunächst im Bereich der Nephrologie und Dialyse an einem großen Spital in Darmstadt – und spürte, dass ihr das allein nicht reicht. Also studierte sie zusätzlich Biologie und Sport für das AHS-Lehramt. Dass sie einige Jahre später im Landesklinikum Wiener Neustadt landete, ist der Liebe zuzuschreiben: Für ein Entwicklungshilfe- Projekt ging die Studentin für zwei Monate nach Nepal – und traf da beim Aufbauen eines Krankenhauses auf 2.000 Metern Höhe prompt den Mann fürs Leben: „Wir haben gemeinsam an einer Aufbauarbeit geleistet – und das hat uns zusammenwachsen lassen.“ Ein Jahr später schon heiratete sie den Niederösterreicher – und lebt seither hier. Sie begann mit 20 Wochenstunden im heutigen Landesklinikum, schloss gleichzeitig ihr Studium ab und absolvierte ihr Unterrichts-Praktikum am BORG Wiener Neustadt. „Das Unterrichten hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich meine beiden Berufe vereinen wollte.“ Deshalb wechselte die Lehrerin 1999 an die Gesundheits- und Krankenpflegeschule und absolvierte den Uni-Lehrgang für lehrendes Krankenpflegepersonal in Mödling. Anatomie und Physiologie sind ihre Fächer, aber auch Pflegewissenschaft und -forschung – gerade dieses Fach wird von manchen Praktikern skeptisch beäugt. Direktorin Schnell findet es jedoch wichtig: „Man muss im Pflegeberuf reflektieren können, was man in der Praxis tut und warum man es so und nicht anders tut“, ist sie überzeugt – und verweist auf die Notwendigkeit mitdenkender und kritischer kluger Köpfe für die Pflege der Zukunft.

Interessiert an anderen Meinungen

Was bringt die zweifache Mutter (ihr Sohn ist 14, ihre Tochter zehn Jahre) mit für die verantwortungsvolle neue Aufgabe? „Ich komme aus dem Team heraus, in dem ich schon bisher die Rolle hatte, den Problemen gemeinsam mit den Kollegen auf den Grund zu gehen, sie analytisch anzupacken und die Emotionen dabei nicht hochgehen zu lassen.“ Kritikfähig sei sie, und sie behalte den Überblick auch, wenn die Wogen hochgehen. Soziale Kompetenz, das sei sehr bedeutsam. Und sie sei neugierig auf die Sichtweisen der anderen: „Wenn jemand anders denkt als ich, ist das ein Blickwinkel, den ich mir anschauen möchte. Andere Meinungen sehe ich als Reichtum, nicht als Bedrohung.“ Wohin soll sich die Schule entwickeln? Reif und fit für die Anforderungen der Zukunft solle sie sein, sagt Daniela Schnell. Mit ihrem Team will sie deshalb ganz grundlegend ein Schulprofil entwickeln und das Ausbildungsspektrum fein anpassen. „Ich will die Prioritäten klug setzen, damit unsere Schule nicht nur gut läuft, sondern auch innovativ ist. Daran arbeite ich. Und das gemeinsam mit meinen Mitarbeitern.“ Und schildert das Bild, das im Eingangsbereich der Gesundheits- und Krankenpflegeschule hängt: Unter dem Titel „Schule der Zukunft“ steht auf gelbem Hintergrund ein blauer Baum, der aus lauter Menschen zusammengesetzt ist. Auf diesen Baum gehen drei Menschen zu, verschmelzen mit ihm. Ein Bild, das ihr Mut macht: „Es symbolisiert für mich: Im Miteinander kann etwas wachsen.“

 

WORD-RAP

Hobbys? Wandern, Skifahren, Lesen, Klavierspielen, Singen (Chor)

Träume? Mit meinem Mann eine Winterbegehung des Großglockners (Tourenski) oder mit unseren Kindern eine Trekking-Tour in Nepal

Was bedeutet für Sie Lebensqualität? Vor allem die „kleinen Fluchten“ im Alltag bewusst zu gestalten: ein Tässchen Kaffee unterm Nussbaum im Garten, einfach mal kurz ans Klavier und ein Liedchen spielen, sich Zeit nehmen, einen Brief zu schreiben (keine flüchtigen E-Mails), ein abendlicher Lauf mit Hund Cora, mit den Kindern aufs Trampolin und vieles mehr.

 

 

INFOBOX

 

AUSBILDUNG GESUNDHEITS- UND KRANKENPFLEGE

+ Allgemeine Gesundheits- und Krankenpflege, dreijährige Diplom-Ausbildung: nächster Start 15.09.2012. Anmeldeschluss war Ende April 2012.

+ Basisausbildung für Intensivpflege, Pflege bei Nierenersatztherapie und Anästhesiepflege: nächster Start Jänner 2013

+ Zusatzausbildung für Intensivpflege: Start Mai 2013

+ Sonderausbildung Pflege im Operationsbereich: Start Oktober 2012

+ Weiterbildung Basales und Mittleres Management: Start Herbst 2012

 

Allgemeine Gesundheits- und Krankenpflegeschule

Wiener Neustadt Corvinusring 20, 2700 Wiener Neustadt

Tel.: 02622/321-2755

gukps@wienerneustadt.lknoe.at