< vorhergehender Beitrag

„Halte es so einfach wie möglich“

Die Pflegedirektorin des Uniklinikums St. Pölten, Michaela Gansch, MSc, ist die neue Vorsitzende der ARGE der Pflegedirektorinnen und -direktoren.


Michaela Gansch, seit 2013 Pflegedirektorin im Universitätsklinikum St. Pölten, will als ARGE-Vorsitzende nationale und internationale Expertise einholen.Foto: Nadja Meister

Michaela Gansch, die Pflegedirektorin des größten Klinikums in Niederösterreich, hat ein sehr einprägsames Motto für die Pflege: „Einfach“ steht auf einem silbern gerahmten Bild an der Rückwand ihres Büros im Universitätsklinikum St. Pölten. Und so meint sie es auch: „Halte es so einfach wie möglich im Alltag, in den Prozessen. Damit bist du so effizient wie möglich.“ Die 49-Jährige hat die Leitung der Arbeitsgemeinschaft der Pflegedirektorinnen und -direktoren von der Leiterin des zweitgrößten Klinikums übernommen: Dr. Evelyn Fürtinger, MAS, vom LK Wiener Neustadt, hatte sich bisher als Vorsitzende in der ARGE engagiert.

Gansch kennt die Pflege und ihre Anforderungen auf allen Ebenen: Seit frühester Kindheit wollte sie Krankenschwester werden. Nach der Hauptschule und der Sozialfachschule startete sie in der Pflegeschule in St. Pölten ihre Ausbildung, die ihr „immer extrem viel Freude und Spaß gemacht“ hat. Begeistert war sie auch immer von der Viel­fältigkeit der Aufgaben und Herausforderungen. Nach der Ausbildung arbeitete sie im AKH in Wien im OP, kehrte dann nach St. Pölten zurück, wurde Stationsleitung an der Kinderabteilung.
Als ihre eigenen Kinder geboren wurden, arbeitete sie extramural als Urlaubsvertretung im Hilfswerk und damit an sehr vielen verschiedenen Stellen. In den Jahren 2010 bis 2012 war sie Standortleiterin der Pflege im LK Lilienfeld und wurde anschließend die neue Pflegedirektorin in St. Pölten. „Ich kenne jedes Berufsfeld in der Pflege, jede Organisationsstruktur und -größe, und das als Basis-Mitarbeiterin.“ Und auch in Führungspositionen.

ARGE als Kommunikationsfeld

Das breite praktische Wissen und die Führungserfahrung prädestinieren die Pflegeexpertin des Uniklinikums für die Führung der Pflege-ARGE. Die Pflegeberufe stehen durch Faktoren wie die steigende Zahl älterer Patienten und sinkende Zahl der Ärzte vor großen Herausforderungen. Drei Schwerpunkte hat sich Gansch daher für ihre Amtszeit an der ARGE-Spitze gesetzt: Demenz, Arbeitszeitmodelle für die verschiedenen Lebensphasen und die Veränderungen in Ausbildung und Praxis.
Sie strebt eine bessere Vernetzung mit anderen Strukturen wie den extramuralen an, mit anderen Bundesländern ebenso wie mit dem Ausland.
Wer in den „Traumberuf“ Pflege will, solle sich unbedingt in einer Fachhochschule ausbilden lassen, rät sie.

Ausbildung & Praxis

Lange schon wird auf Bundesebene über die Pflege-Ausbildung verhandelt, doch noch immer ist nicht klar, wie es künftig weitergehen wird. Seit einigen Jahren läuft die Ausbildung bereits parallel in den Schulen und an drei FHs in Krems, St. Pölten und Wiener Neustadt. Drei Stufen sind geplant: Pflege-Assistenz, Pflege-Fachassistenz (ein- bzw. zweijährig, werden an den Pflegeschulen ausgebildet) und der gehobene Dienst (derzeit als Schul-Absolventen noch DGKS und DGKP) mit einem Bachelor-Abschluss, der irgendwann nur mehr an Fachhochschulen gelehrt werden soll.
Dazu kommt, das Pflegepersonen künftig weitere ärztliche Tätigkeiten übernehmen werden, um auf die veränderten Ressourcen zu reagieren. Mit Auf- und Nachschulungen machen die Kliniken ihre diplomierten Pflegekräfte fit für die Übernahme von bisher ärztlichen Tätigkeiten, wie zum Beispiel Blutabnahme, das Setzen von Kathetern oder Magensonden. Auch in der Ausbildung werden diese Tätigkeiten vermittelt.

Mehr Eigenverantwortung

Froh ist Gansch darüber, dass es in der Holding-Zentrale mit der neuen Abteilung für Pflege, nichtärztliche Berufe und Ausbildung nun eine eigene Pflegeabteilung gibt, mit Roman Gaal an der Spitze. „Ich schätze ihn sehr und freue mich, dass damit die Pflege eine andere Bedeutung bekommen hat“, sieht Gansch die Abteilung als Signal an die größte Berufsgruppe der NÖ Kliniken.
Im Fokus der Patientensicherheit steht ein interdisziplinärer Behandlungsprozess, in dem das Pflegepersonal einen wesentlichen Beitrag leistet, da es über 24 Stunden im stationären Bereich tätig ist und seine Beobachtungen und Wahrnehmungen an die anderen Gesundheitsberufe weiter­leitet. Deshalb wird es künftig wichtig sein, dass Pflegekräfte mehr medizinisch-fachlichen Input erhalten, um ihre Verantwortungen wahrnehmen zu können.  
 Das sei durch die FH-Ausbildung möglich, „Pflege ist eine Tätigkeit mit Durchführungs-, Beobachtungs- und Anweisungs-Verantwortung, und das muss man auch alles lernen und können.“ Gerade die FH-Ausbildung ermögliche den Pflegekräften ein breites Aufgabenspektrum und die Weiterentwicklung per Masterstudium in Richtung Management oder Pflegewissenschaft. Und damit Kompetenzen, mit denen man in jedem Lebensalter passende Aufgaben übernehmen kann, ist Gansch überzeugt.

Thema Demenz

Menschen mit Demenz sind mittlerweile auf vielen Stationen zu finden – von der Neurologie über Urologie und Chirurgie bis zur Orthopädie und Unfallchirurgie. „Diese Menschen stellen sehr spezielle Anforderungen an die Pflege“, weiß Gansch. Sie will in der ARGE dafür sorgen, dass die Teams mehr Kongresse besuchen, um am Stand des Wissens und der Informationen zu sein. Ihr ist es ein Anliegen, möglichst viel Expertise zur Verfügung zu stellen und sich mit bereits bestehenden Strukturen und Experten zu vernetzen.

Thema Arbeitszeitmodelle

Arbeitszeitmodelle, die zur jeweiligen Lebensphase passen, sind für die höchste Pflegemanagerin der NÖ Kliniken ein wichtiges Thema. „Gerade in der Pflege kann jeder und jede durch verschiedene Berufsfelder und Einsatzgebiete das finden, was zu seiner Lebensphase passt“, ist die Direktorin überzeugt.
Das sei wichtig, denn die körperliche Belastung werde mehr: „Durch die wachsende Zahl adipöser Menschen brauche ich zum Mobilisieren statt ein bis zwei jetzt oft drei bis vier Pflegekräfte. Ich habe lange im OP gearbeitet und weiß, was es heißt, sieben bis acht Stunden auf einem halben Quadratmeter arbeiten zu müssen – das ist eine extreme körperliche Anstrengung. Und schließlich der Wechsel zwischen Tag- und Nachtdiensten – manchen Menschen macht das bis in die späten Arbeitsjahre nichts aus, anderen schon sehr früh, das ist sehr individuell.“ Darauf müsse man möglichst gut reagieren können, damit alle Pflegekräfte gesund bleiben und die Krankenstände nicht ansteigen.

Die Privatperson

Michaela Gansch ist sportlich, „Bewegung ist ganz wichtig für mich“, betont sie. Laufen gehört zu ihren bevorzugten Sportarten, gern in einer Runde mit anderen Frauen. Wandern und auch Bergsteigen geht sie gern. Sie liebt Musik „von Jazz bis Klassik“ und singt regelmäßig im Chor – das ist für sie „die ultimative Entspannung“.
Die zweifache Mutter erwachsener Kinder ist verheiratet und weiß, wie wichtig ein Partner ist, der hinter ihr steht. Und wie wichtig auch ein Team, das hinter ihr steht. Das hat sie wohl – privat und im Uniklinikum St. Pölten. Und damit die Hände frei, als Leiterin der ARGE an den Rahmenbedingungen für alle Pflegekräfte zu arbeiten.