Hilfe für Nepal
OÄ Dr. Christa Nahodil von der Unfallabteilung am LK Horn startete ein medizinisches Projekt im „verbotenen Königreich Mustang“ in Nepal. Von August bis Dezember baute sie in der Hauptstadt Lo-Manthang eine kleine medizinische Station auf.
Der Reisebericht
Am 17. Juli 2012 beginnt also mein Abenteuer. Um 13.30 startet das Flugzeug von Wien-Schwechat und landet nach ca. 7 Flugstunden am International Airport in New-Delhi. Nach einer landschaftlich, wunderschönen – jedoch grenzwertig anstrengenden Trekkingtour durch das östliche Zanskar (Nordindien: Bundesstaat Jamu-Kaschmir) reise ich Mitte August in Nepal ein.
Bürokratischer Kampf
Schon während der Autofahrt vom Flughafen zum Hotel, auf einem von Schlaglöchern durchzogenen Feldweg, der Hauptstraße, umströmt mich das Gefühl des Ankommens. Vor mir liegen einige Tage bürokratischen Kampfes mit zahlreichen Departements (Finanz, Einfuhr, Zoll, Drug and Administration). Ein herzliches Danke an die Mitglieder der Shambhala-Trekking-Agency, ohne die ich in diesem Nepali-Englisch-Dschungel auf der Strecke geblieben wäre.
Nach einem „Rupien-Fluss“ ober und unter Tisch konnte ich nach 10 Tagen meine gesamte Lieferung an Medikamenten, Verbandstoffen usw. in Empfang nehmen (immerhin ein Gesamtgewicht von 800 kg). Mit dem Linienbus geht es von Kathmandu, die 250 km nach Pokhara, Fahrzeit 7 Stunden. Von den Studenten der Great Compassion Boarding School und ihrem Principal, Mr. Shiva Rijal, werde ich schon sehnlichst erwartet. Mit Sack und Pack geht es nach Sarangkot, dem Winterquartier der GCBS. Nachdem die Lieferung aufgeteilt wurde, hieß es nun endlich mit 2 Trekkingtaschen voller Medikament, auf nach Mustang. Ein 25 minütiger Flug verbindet Pokhara mit Jomosom in 2900m Seehöhe und 100 km entfernt. Begleitet von meinem Guide Tsewang Norbu (Sekretär der Lo-Mustang-Foundation),machen wir uns auf den Weg nach Lo-Manthang.(60km ) Wir überschreiten in Kagbeni die Grenze zu Upper Mustang und in 4 Tagen geht es über Muktinath, den 4900m hohen Gyu La nach Chhusang.
Der nächste Tag
Am nächsten Tag weiter nach Syangboche und am 3. Tag erreichen wir die 2.größte Stadt Mustangs, Tsarang. Hier besuchen wir auch die Eltern meines Patensohnes. Am 4.Tag unserer Wanderung erreichen wir gegen Mittag die Hauptstadt Lo Manthang auf 3900m Seehöhe. Es folgt nun für mich eine interessante Zeit mit den Schülern (Ausflüge, Untersuchungen) und auch die Bewohner von Upper Mustang erfahren rasch, dass eine Ärztin gekommen ist, die Medikamente „umsonst“ verteilt.
Keine Krankenversicherung
In Nepal gibt es keinerlei Krankenversicherung und die Einwohner müssen jeden Spitalsaufenthalt, Dentist- oder Arztbesuch bezahlen. Somit kann sich nur ein kleiner Teil der Bevölkerung eine medizinische Versorgung leisten. (Bitte, nicht mit europäischer, medizin. Versorgung vergleichen). Die Hauptprobleme ergeben sich wittterungsbedingt und durch die einfache Infrastruktur. Hauterkrankungen, banale grippale Infekte mit allen Folgeerscheinungen sowie Erkrankungen durch einseitige Kost, nicht adäquat versorgte Verletzungen, Probleme während und nach der Schwangerschaft runden das Spektrum des Betätigungsfeldes ab. Natürlich gehört auch „Zahnziehen“ zu den erforderlichen Maßnahme, die von der Bevölkerung ohne jegliche „Betäubung“ toleriert wird.
Beeindruckende Landschaft
Für mich beeindruckend, neben der einzigartigen Landschaft natürlich die große Zufriedenheit und Ruhe, mit der die Einwohner ihr einfaches Leben meistern. Und so lerne auch ich, was es bedeutet, ZU LEBEN.
Ohne Elektrizität, die aus der Steckdose kommt, ohne regelm. Wasserstrahl aus der Leitung, ohne Radio, TV oder Computer. Du bist gefordert, mit deinen Mitmenschen zu kommunizieren. Ich genieße es, nach der Devise zu leben, die mir schon ein Freund in Ladakh zu vermitteln suchte – Enjoy the life.
Auch traurige Erlebnisse
Natürlich gibt es auch traurige Erlebnisse, wo kurzfristig Gedanken an europäischen Standard aufkommen (z. B. Behandlung von Herzfehlern bei Säuglingen). Man darf sich jedoch von unseren Voraussetzungen nicht beeinflussen lassen, dies hilft weder der dortigen Bevölkerung noch einem selbst. Ausflüge in den Norden Mustangs nach Chossar, das für die Höhlenwohnungen berühmt ist, sowie zu den „Alps“ – ehemalige Nomaden, die mit ihren Schaf-Ziegen- und Yakherden leben – runden den Aufenthalt in Mustang ab.
Der Abschied, sowohl von den Schülern der GCBS als auch von den übrigen Einwohnern von Mustang, fällt nicht leicht, und auf dem 4-tägigen Rückmarsch werden schon Zukunftspläne geschmiedet. Es spielt auch keine Rolle, das der Rückflug aufgrund des Schlechtwetters wörtlich ins Wasser fällt. Man legt die Strecke von 100 km größtenteils zu Fuß zurück. Diese für uns unvorstellbaren Zustände gehören zum normalen Leben.
Geburtsstätte Buddhas
Wenn man schon die Möglichkeit hat, längere Zeit in Nepal zu verbringen, ist auch ein Besuch in Lumbini, der Geburtstätte Buddhas, ein Fixpunkt. Mit seinen verschiedenen Tempelanlagen rund um das Zentrum der Geburtsstätte Buddhas strahlt dieser Ort eine enorme friedliche Atmosphäre und Spiritualität aus.
Vorhaben für 2014
Baubeginn eines kleinen Krankenhause in Lo (nicht mit unseren Kliniken vergleichen) um eine gute Basisversorgung der Bevölkerung zu ermöglichen und somit mit den anderen Projekten der Lo-Mustang-Foundation dazu beizutragen, den Alltag der Bevölkerung etwas zu erleichtern.
Für mich persönlich, ist es eine große Ehre und Verantwortung, dass die LMF und Lama Ngawang diesen Part des Entwicklungsprogrammes mir übertragen haben. Es bedeutet eine große Herausforderung und auch Genugtuung in unserer, vom Konsumgedanken geprägten, schnelllebigen Zeit mitzuhelfen, dass ein tibetisches Natur- und Kulturgut, wie Mustang es ist, erhalten bleibt und für seine Bewohner etwas lebenswerter und –würdiger werden kann. In diesem Sinne NAMASTE.
Infobox
Mustang liegt auf einer Seehöhe von über 3.500 m. Das Gebiet erstreckt sich über 2.563 km2 bei ca. 12.000 Einwohnern. Mustang war ein unabhängiges Königreich, gegründet um 1400, und durch Sprache und Kultur eng an Tibet gebunden. Nach der Besetzung Tibets durch China brachen Handelsrouten zusammen und der Lebensstandard sank kontinuierlich ab.
Helfen auch Sie: Hilfsprojekt „Himalaya’s Children“, www.himalayas-children.ch, www.lomustangfoundation.org.np, www.mustang-children.com







