„Ich versuche immer, einen Weg zu finden“
Christoph Hörmann, Leiter der Anästhesie im Uniklinikum St. Pölten, ist seit Jahresbeginn Transplantationsreferent für Niederösterreich und das Burgenland.

Prim. Assoc. Prof. Dr. Christoph Hörmann leitet die Klinische Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin im Universitätsklinikum St. Pölten. Als Transplantationsbeauftragter ist er rund um die Uhr erreichbar unter 0664/1146838. Foto: Philipp Monihart

OA Dr. Wolfgang Mochty

OÄ Dr. Helga Dier

OÄ Dr. Ilse Breyer
„Ein Dialyse-Patient muss dreimal pro Woche für einen halben Tag ins Klinikum. Ihm geht es einen halben Tag vor der Dialyse nicht mehr richtig gut, den halben Tag danach auch nicht. Und bei Menschen, bei denen die Herzfunktion immer schwächer wird und die sich deshalb kaum mehr bewegen können, ist die geplante Herztransplantation der Strohhalm, an den sie sich klammern. Wenn man solche Menschen kennt, und ich kenne viele, dann muss man sich einfach für das Thema Organspenden einsetzen.“ Prim. Assoc. Prof. Dr. Christoph Hörmann leitet die Klinische Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin im Uniklinikum St. Pölten seit 2009. Davor war er 14 Jahre lang Oberarzt an der Universitätsklinik für Anästhesie und allgemeine Intensivmedizin der Medizinischen Universität Innsbruck und von 2002 bis 2012 Transplantationsreferent für die Region West. Transplantationsreferent ist er jetzt auch wieder, und zwar gemeinsam mit dem Wiener Arzt Dr. Hubert Hetz für die Region Ost.
In dieser betreut er Niederösterreich und das Burgenland. In NÖ stehen ihm dabei am Uniklinikum St. Pölten, am LK Mistelbach-Gänserndorf und
LK Wiener Neustadt lokale Transplantationsbeauftragte zur Seite, die auf den Intensivstationen der Kliniken bei der Spender-Identifizierung und Spender-Betreuung die Intensivteams unterstützen (siehe Kasten). Ein weiterer Aufgabenbereich sind Fortbildungen zum Thema Organspende und Transplantationsmedizin für medizinisches Personal.
Thema soll kein Tabu sein
Hörmann wünscht sich, dass das Thema Organspende in möglichst vielen Familien besprochen wird: „In Österreich ist für die Post-mortem-Organspende die Widerspruchslösung gesetzlich verankert, die vorsieht, dass man sich schon zu Lebzeiten gegen eine Organspende für den Fall des Ablebens ausspricht – im Widerspruchregister bei ÖBIG-Transplant oder in anderer geeigneter Form, z. B. Notar, Patientenverfügung, Information der Angehörigen. „Gelebte Praxis an den Intensivstationen Österreichs ist es, dass nach Abschluss der Hirntod-Diagnostik einerseits das Widerspruchsregister abgefragt wird und andererseits die Angehörigen des Patienten über die geplante Organentnahme informiert werden. Sollte hierbei von den Angehörigen mündlich der Widerspruch des verstorbenen Patienten überbracht werden, wird dies selbstverständlich berücksichtigt und von einer Organentnahme abgesehen.“
Bei vielen Angehörigengesprächen hat sich gezeigt, dass es betroffenen Hinterbliebenen viel Sicherheit gegeben hat, wenn das Thema Organspende bereits zu Lebzeiten geklärt wurde. „Zuerst werden alle Erkenntnisse und technischen Möglichkeiten der modernen Medizin (neurochirurgische Operationen, anästhesiologische Intensivmedizin, Organersatztherapie etc.) eingesetzt, um das Leben des Patienten zu erhalten. Erst wenn trotz aller dieser Maßnahmen das Überleben wegen der Schwere der Kopfverletzungen beziehungsweise des Ausmaßes der Hirnschädigung nicht möglich ist, wird die Hirntod-Diagnostik gemäß den Empfehlungen des Obersten Sanitätsrates durchgeführt“, betont Hörmann. „Bei einer Organspende steht am Anfang immer das Leid der Hinterbliebenen, da ein geliebter Angehöriger verstorben ist. Auch für den Transplantationsreferenten ist eine Spendermeldung kein Anlass zum Jubeln. Auf der anderen Seite ist es Aufgabe des Transplantionsreferenten, die Identifizierung und Betreuung der Organspender möglichst gut zu unterstützen, um bei möglichst allen auf der Intensivstation am Hirntod verstorbenen Patienten eine Organspende zu ermöglichen und damit den Patienten auf der Transplantationswarteliste zu helfen.“ Für manche Hinterbliebene ist die Akzeptanz des Todes nach Abschluss der Hirntod-Diagnostik besonders schwierig: Da auf der Intensivstation Teile der Hirnfunktionen maschinell ersetzt werden können (Beatmung, medikamentöse Kreislaufregulation), schlägt das Herz des Verstorbenen, bis die Beatmungstherapie beendet wird. „Ich verstehe, dass es in dieser Situation für die Angehörigen sehr emotional und auch schwierig ist, zu verstehen, dass das Leben am Ende ist.“ Erst wenn der Tod von den Angehörigen restlos verstanden und akzeptiert ist, ist der Zeitpunkt gekommen, das Thema Organspende anzusprechen. Ziel dieses Gespräches ist es, dass die Angehörigen im Falle einer Organspende mit diesem Schritt leben können.
Gutes System in Österreich
Die Organspende in Österreich ist altruistisch organisiert. Ein Missbrauch kann durch komplexe Kontrollmechanismen ausgeschlossen werden. Zusätzlich wird das Transplantationswesen durch den Rechnungshof geprüft. Trotz aller Bemühungen und Maßnahmen, die potentiellen Organspender zu identifizieren und die Organspende reibungsfrei zu organisieren, beträgt die Wartezeit für eine Nierentransplantation rund drei Jahre. Um auf das Bild vom Dialysepatienten zurückzukommen: Hörmann kennt zahlreiche dieser Menschen, die anfangs noch recht fit sind, aber nach ein, zwei Jahren geht es ihnen immer schlechter. Nur die neue Niere beendet dieses anstrengende Leiden. Passt ein Spenderorgan zu keinem Empfänger in Österreich, geht es über Eurotransplant dorthin, wo es gebraucht wird – und umgekehrt.
Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, gut passende Organe zu finden. Wichtig ist Hörmann auch das Thema Lebendspende: Ein gesunder Erwachsener kann zu Lebzeiten für dialysepflichtige Angehörige eine Niere spenden. Dies verkürzt die Wartezeit an der Dialyse enorm.
Grenzbereiche
Hörmann wollte immer schon Intensivmedizin machen. Nach dem Medizinstudium in Wien arbeitete er 20 Jahre in Tirol, wo er Oberarzt und Department-Leiter war. Dort ging er zuerst in Richtung Kardiologie und Intensivmedizin, sah aber dann, dass die Anästhesie ihm viel mehr davon bietet, was er an seinem Beruf liebt: „Grenzbereiche haben mich immer interessiert – denn dort kann man den Menschen wirklich helfen“, sagt der 53-Jährige. „Falsche Entscheidungen sind da irreversibel. Das bedeutet, dass man ein hohes Wissensniveau haben muss.“ Diese Haltung hat allerdings im Privatbereich ihre Schattenseiten, grinst der siebenfache Vater, der bereits neun Enkel hat: „Zu Hause schimpfen sie mit mir, weil ich es nie ernst nehmen kann, wenn jemand krank ist.“
Persönliche Stärken
Hörmann setzt sich für den Nachwuchs ein: Er gehört zu jenem Sextett, das das Curriculum für die Praxis-Ausbildung der Studenten der Karl Landsteiner Privatuniversität entwickelt hat: Nach drei Jahren vorwiegend theoretischer Ausbildung startet im Herbst die praktische Ausbildung an den drei Unikliniken St. Pölten, Krems und Tulln. Was sind seine persönlichen Stärken? „Geht nicht? Das gibt’s nicht“, sagt Hörmann, „ich versuche immer, einen Weg zu finden.“ Triathlon und Ski-Bergsteigen nennt er als Hobbys. Und bezeichnet sich selbst als „grenzenlosen Optimisten“.
Transplantations-Experten
Für ganz Österreich wurden durch eine Potenzial-Analyse 25 Transplantations-beauftragte in Kliniken ausgewählt. In Niederösterreich sind das:
Landesklinikum Mistelbach-Gänserndorf: OA Dr. Wolfgang Mochty, Abteilung Anästhesiologie und Intensivmedizin
Universitätsklinikum St. Pölten: OÄ Dr. Helga Dier, PM.ME., Klinische Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin
Landesklinikum Wiener Neustadt: OÄ Dr. Ilse Breyer, Abteilung Anästhesie, Notfall- und Allgemeine Intensivmedizin





