Reise nach Lappland
Auf einer Studienreise im Mai 2013 nach Lappland hat die ARGE der Pflegedirektoren der niederösterreichischen Landesklinken nicht nur die schwedische Landschaft kennengelernt, sondern auch die Notfallversorgung vor Ort.
Am Montag, 27. Mai 2013, ging es mit der Studienreise los. Von Wien ging es zunächst nach Stockholm und dann nach Luleå. Luleå ist eine Stadt mit 75.000 Einwohnern und liegt im nördlichsten Teil Schwedens, im Bundesland
Norbotten, ca. 1.000 km nördlich von Stockholm. Das gesamte Bundesgebiet umfasst den Norden von Finnland, Norwegen und Russland ein Teil Lapplands.
Am Dienstag fuhr die ARGE nach Övertorneå – dort erhielten die Teilnehmer Informationen über die Notfallversorgung Norbottens.
Norbotten hat eine Fläche von ca. 98.000km² und hat 250.000 Einwohner. Diese sind in 14 sehr dünn besiedelte Bezirke aufgeteilt. Die Notfälle werden mit 29 Rettungsautos (einige davon sehr gut ausgerüstet), 32.000 Einsätze pro Jahr, die von Pflegepersonal begleitet werden, versorgt. Ein Helikopter mit Arzt und Schwester verbucht ca. 500 Einsätze im Jahr. 90 Prozent der Notfälle werden in weniger als 30 Minuten erreicht (rund 13 Minuten bis zum Einsatzort). Es wird immer jene Einrichtung angefahren, zu der der Weg im Notfall am kürzesten ist. Die Grenzüberschreitung spielt dabei keine Rolle. Ähnlich läuft es mit der Alarmierung: Jener Wagen, egal ob finnisch oder schwedisch (norwegisch), der dem Einsatzort am nächsten ist, fährt aus. Der Notfallplan ist sehr gut zwischen den Ländern abgestimmt.
Etwas später am Tag erhielten die Teilnehmer noch Informationen über die grenzenlose Versorgung: Diese hat in Lappland aus der Notwendigkeit heraus eine sehr lange Tradition. Die Grenzen zwischen Finnland und Schweden im Gebiet Lapplands waren immer offen. Im Vordergund steht das Gesundheitsservice für die Patienten, im Hintergrund die grenzüberschreitende Bezahlung. Eine Person, die z. B. in Finnland lebt und in Schweden arbeitet, ist berechtigt, das Gesundheitsangebot in Schweden zu nutzen. Transporte werden in der Regel verrechnet, die Akutbehandlung normalerweise nicht.
Das Gesundheitszentrum in Övertornå zusammen mit Pello (Finnland) ist für insgesamt ca. 40.000 finnische Einwohner und ca. 20.000 schwedische Personen zuständig. Fast das gesamte Personal beherrscht fünf Sprachen (englisch, schwedisch, finnisch, samisch, meänkieli = finn. Dialekt). Es ist auch kein Problem, wenn eine Patienten in einem anderen Land ein Röntgen durchführen lässt. Die Möglichkeit der distanzierten Befundung ist üblich, da im Norden Schwedens und Finnlands dieselben elektronischen Systeme im Einsatz sind. Nicht nur im Bereich des Gesundheitswesens existiert eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Diese besteht auch über Arbeitsplätze, zu Ausbildungszwecken (Universität) und für Freizeitaktivitäten.
Aktuelle Themen zur Zusammenarbeit im Bereich der Gesundheitsversorgung beziehen sich derzeit auf Videokonsultationen, digitale Röntgenbefundung, der einheitlichen Krankenakte und der Verbesserung der elektronischen Kommunikation. An diesen Projekten arbeiten einige Gesundheitszentren Schwedens und Finnlands in interdisziplinärer Besetzung.
Nach dem Mittagessen ging es ins Gesundheitszentrum Pello (Finnland) und zur Övertorneå Klinik (Schweden). Das Gesundheitszentrum ist sehr
zweckmäßig, aber wohnlich eingerichtet. Dadurch erinnert es eher an ein Pflegeheim, als an ein Krankenhaus. Die Räume sind klein und niedrig. Die Einrichtung hat 16 Betten, in denen die Patienten auch über einen gewissen Zeitraum stationär behandelt werden kann. Die ununterbrochene Anwesenheit eines Arztes ist nur zweimal pro Woche und jedes zweite Wochenende gegeben, jedoch kann er über Video angefordert werden. Am Vormittag steht immer ein Arzt vor Ort zur Verfügung. Spezielle Röntgenuntersuchungen können in diesem Zentrum nicht gemacht werden.
Im Gesundheitszentrum Övertorneå können bis zu acht Patienten stationär aufgenommen und versorgt werden. Ist eine spezielle Behandlung nötig,
werden die Patienten in die entsprechende Klinik gebracht.
Am Mittwoch, 29. Mai 2013, geht es wieder nach Sunderby, wo die ARGE genauestens über die Gesundheitsversorgung sowie über Verantwortlichkeiten, Aufgaben und Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden in Norrbotten im Norrbotten County Council informiert wird. Nach dem Mittagessen wurde das UNESCO Weltkulturerbe Gammelstad besichtigt, anschließend ging es zum Abendessen nach Luleå.
Am Donnerstag, 30. Mai 2013, flogen die Teilnehmer nach Stockholm, wo sie eine dreistündige Stadtrundfahrt sowie Bootstour durch Stockhom unternahmen. Der Rest des Zahes stand zur freien Verfügung.
Am Freitag, 31. Mai 2013, ging es nach ereignisreichen Tagen wieder zurück nach Wien.






