Triple Ultra Triathlon
Was für Otto Normalverbraucher schon eine riesige Herausforderung ist, nämlich einen Triathlon (Ironman) mit einer Schwimmstrecke von 3,8 km, 180 km am Fahrrad und anschließend einen Marathonlauf von 42 km zu bewältigen, scheint für Dr. Alexandra Meixner, Gynäkologin im Landesklinikum Gmünd ein reiner Sonntagsspaziergang zu sein. Sie suchte daher eine weitere Herausforderung und absolvierte Ende Juli in Lensahn (D) einen Triple Ultra Triathlon, bei dem innerhalb von 58 Stunden 11,4 km zu schwimmen, 540 km mit dem Rad zu fahren 126 km zu laufen waren.
Von den 80 Startern die sich bei großer Hitze diesem Wettkampf stellten waren nur drei Frauen, eine davon Alexandra Meixner. Nachdem auch diese Hürde in der vorgeschriebenen Zeit erfolgreich gemeistert wurde startete sie im Herbst ein ganz besonderes persönliches Experiment. In Lonato am Gardasee fand zum ersten Mal ein „Triple Deca Ironman“ statt. Alexandra Meixner wollte wissen, wie viele Triathlons über die Ironmandistanz sie im Rahmen dieses 30fachen Triathlons schaffen könnte. In ihrem persönlichen Erfahrungsbericht spricht sie über Beweggründe, Schwierigkeiten und Triumph: „Erfahren von diesem Bewerb habe ich beim Triple Ultra Triathlon im Juli und von da an keimte die Idee, mitzumachen. Der „Triple Deca“ wurde zum ersten Mal veranstaltet und war so aufgebaut, dass 30 Triathlons an 30 aufeinander folgenden Tagen absolviert werden konnten.
Bei erfolgreicher Bezwingung dieser Herausforderung winkte ein Eintrag ins Guiness Buch der Rekorde. Es bestand aber auch die individuelle Mögichkeit generell weniger Triathlons hintereinander zu bewältigen, bzw. zwischen den einzelnen Triathlons Pausentage einzulegen um zu sehen wie viele insgesamt in den 30 Tagen geschafft werden konnten. Schaffte man 10 Triathlons hintereinander war ist man „Deca TriathletIn“, bei 20 „Double Deca TriathletIn“ etc. Mein Ziel war, mindestens 5 Triathlons hintereinander zu Ende zu führen. Der Bewerb wäre 10 Tage vor Beginn fast abgesagt worden, da das Hotel, auf dessen Areal der Wettkampf ausgetragen worden wäre, plötzlich absagte. Die Veranstalter hatten größte Mühe im letzten Augenblick einen Ersatz ausfindig zu machen, wo sowohl Sportbecken zum Schwimmen, als auch eine Rad- und Laufstrecke und eine passende Verpflegung bereitgestellt werden konnten. Die schwierigste Hürde für uns Athleten war jedoch die Radrennstrecke von 180 km bei 1300 Höhenmetern, welche die Beine fürs nachfolgende Laufen doch sehr ermüdete (angekündigt war eine Strecke, die zu 95 % flach sei). Nach vier Tagen wurde von den Behörden dann schließlich eine Erlaubnis für eine neue Strecke mit ca. 300 Höhenmetern erreicht. Tag 3 war für mich persönlich ein sehr schwieriger. Nach ca. 150 Radkilometern hatte ich einen Zusammenstoß mit einem anderen Athleten, der von der Labstation unaufmerksam losstartete und mich übersah. Obwohl sein Rad ein Totalschaden war, ist Wayne zum Glück nicht viel passiert. Mein Rad hatte keinen Kratzer, dafür war mein rechter Ellbogen und mein rechtes Bein stark in Mitleidenschaft gezogen. Nach der Versorgung durch den Rennarzt wollte ich die Radstrecke fortsetzen, hatte jedoch bei der ersten Runde das Gefühl, dass sich im rechten Knie etwas Spießen würde. Der Rennarzt, der mich beobachtet hatte, holte mich vom Rad, bandagierte mein Knie erneut und ließ mich aber auf mein Drängen hin weiterfahren. Nach den ersten 20 Laufkilometern schmerzte mein Knie jedoch so stark, dass ich aufhören musste. Der Arzt diagnostizierte einen Kniegelenkserguss und wollte mich aus dem Rennen nehmen.
Ich verhandelte mit ihm und wir vereinbarten, dass er mich am darauffolgenden Tag noch einmal untersuchen würde und nur wenn es nicht so schlimm sein würde er mich den Wettkampf fortsetzen lassen würde. Meine Schwester, die mich während des gesamten Bewerbes mit Tuinabehandlungen betreute, behandelte mich erfolgreich zwei Stunden lang, sodass ich am nächsten Tag zum Erstaunen des Arztes kaum noch Beschwerden am Knie hatte und das Rennen fortsetzen durfte. Tag 4 lief trotz der Blessuren besser als die Vorherigen. Während der letzten nächtlichen Marathonkilometer begannen jedoch Magen-Darmprobleme mit Durchfällen, die die nächsten beiden Tage erheblich erschwerten. Während es mir dank der Behandlungen durch meine Schwester muskulär und von den Gelenken her sehr gut ging, machten mir die Darmkrämpfe und die latente Übelkeit sehr zu schaffen. Eigentlich sollte man ein- bis zweimal in der Stunde essen (mind. 350 kcal pro Stunde) und jede Viertelstunde trinken – beides war aber nur mit Widerwillen möglich. Mein Geschmackssinn spielte verrückt – Süßes schmeckte sauer, Salziges bitter – alles war verkehrt. Normalerweise esse ich für mein Leben gern – nie hätte ich gedacht, dass es so schwierig sein könnte essen zu müssen. Tag 6 verlief besser und nach wie vor ging es mir muskulär sehr gut. Am 7. Tag begann ein mentales Tief – jeden Tag wieder neu anfangen – ich fragte mich warum??? Auch wenn ich 5 – 6 Stunden pro Tag schlafen konnte so war das anscheinend zu wenig um mich für die kommenden 15 – 16 Stunden Sport zu erholen – ich war total müde. Zu Mittag oder zwischen dem Radfahren und Laufen machte ich jeden Tag fast eine Stunde Pause um etwas Warmes zu essen, mich von meiner Schwester behandeln zu lassen und meist noch eine Viertelstunde zu schlafen.
Ich beschloss, den 8. Tag noch zu absolvieren und anschließend noch ein paar Tage mit Walter meinem Lebensgefährten Urlaub zu machen. Walter betreute mich gemeinsam mit meiner Schwester den ganzen Bewerb hindurch. Ich bin beiden sehr dankbar dafür, denn es ist eine äußerst verantwortungsvolle und anstrengende Aufgabe – bedeutete es doch für beide, rund um die Uhr acht Tage hindurch für mich zur Verfügung zu stehen. An diesem 8. Tag merkte ich auch wie müde ich eigentlich schon war und der Marathon zum Abschluss des 8. Ironmans war der erste, den ich nicht durchgelaufen bin, weil vor allem am rechten Schienbein ziehende Schmerzen begannen.
Das bestärkte mich darin, dass ich zum richtigen Zeitpunkt beschlossen hatte aufzuhören – aufzuhören solange es noch gut ging dank meiner Schwester und genießen zu können, was ich erreicht hatte“. Kurze Zeit später scheinen die Strapazen des „Triple Deca Ironmans“ bereits wieder vergessen zu sein, denn Tausendsassa Alexandra Meixner plant in zwei Jahren bereits einen neuerlichen Start, bei dem sie den heurigen Rekord von Thea Storm-Henrikksen von 11 Triathlons brechen und den Weltrekord für Frauen aufstellen möchte.







