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Das Verstehen wächst

Das Projekt „Lerne deine Kliniken kennen – Lerne deine Zentrale kennen“ hat viel bewegt. Was man daraus für den gemein­samen Arbeitsalltag mitnehmen kann, schildern die Organisierenden.


Birgit Engel

Michaela Sonnleitner

Hon.-Prof. (FH) Christa Stelzmüller, MAS

Dr. Christopher Reichel

Mag. Bettina Rausch­

Mag. (FH) Martin Kaiser

Annabell Heiss, MA

Christa Pehn

Margit Pröglhöf

Paul Otzelberger, BSc

Dipl. KH-BW Wolfgang Amenitsch

DGKS Angela Kroitzsch

Mag. Heidemarie Köfler-Netouschek

Wenn man weiß, wie die Arbeitsabläufe in einem anderen Bereich funktionieren, kann man wesentlich besser und effizienter zusammenarbeiten. Diese Erkenntnis macht sich die NÖ Landeskliniken-Holding mit einem Austausch-Projekt zunutze, das alle Beteiligten bisher begeistert hat (siehe G&L INTERN 02/2014, ab Seite 10): Mitarbeitende aus der Holding-Zentrale besuchten für einige Tage ein Landesklinikum und lernten vor Ort die Abläufe und viele handelnde Personen kennen. Ganz konkret standen sie mit im OP, begleiteten die Visite, besuchten die Handwerker, schauten dem Empfangspersonal über die Schulter oder beobachteten das hektische Treiben in der Küche. Und Mitarbeitende aus den Landeskliniken besuchten die Holding-Zentrale, setzten sich in Meetings, sprachen mit den einzelnen Abteilungsleitern und -teams und holten sich in vielen Gesprächen zahlreiche Informationen.
Aus diesem Pilotprojekt können alle Beteiligten spannende Erkenntnisse und Einsichten gewinnen, die auch all jenen nützen, die nicht direkt
teilnehmen können. G&L INTERN fragte daher das Organisationteam aus der Holding-Zentrale ebenso wie alle, die in den Kliniken für das Gelingen sorgten. Hier die Statements.

Das Projektteam der Holding-Zentrale & der PilotKliniken

Birgit Engel und Michaela Sonnleitner, MA, Abteilung Recht und Personal, Holding-Zentrale: „Im Leitbild der NÖ Landeskliniken-Holding steht ‚Wir‘ vermögen mehr als ‚Ich‘. Alle an diesem Pilotprojekt Beteiligten – ob Projektteam, Organisatoren in den Kliniken oder Teilnehmende – haben unterstrichen, dass unser Leitbild nicht nur auf Papier gedruckt ist, sondern gelebt wird. Besonders schön waren die Offenheit und Herzlichkeit, mit der unterschiedlichste Menschen unterschiedlichster Berufsgruppen aufeinander zugegangen sind. Wir hoffen, dass das Programm weiterhin als wichtiger Bestandteil der gemeinsamen Unternehmenskultur gesehen wird. Danke für die vielen so positiven Rückmeldungen zum Pilotprojekt!“

Hon.-Prof. (FH) Christa Stelzmüller, MAS, Regionalmanagerin NÖ Mitte: „Aufgrund meiner Tätigkeit als Regionalmanagerin in der Region NÖ Mitte arbeite ich sehr eng mit den Kliniken und den Mitarbeitern der Abteilungen der NÖ Landeskliniken-Holding zusammen. Es freut mich zu sehen, dass durch dieses Projekt mehr Verständnis füreinander entsteht und somit ein erfolgreicheres gemeinsames Arbeiten möglich ist. Im Sinne des gegenseitigen Verständnisses zwischen den Mitarbeitern in den Kliniken und der Holding-Zentrale freue ich mich auf eine Weiterführung dieses erfolgreichen Projektes.“

Dr. Christopher Reichel, Ärztliche Direktion, LK St. Pölten: „In einer so großen und komplexen Organisation ist es enorm wichtig, Kontakt zu
anderen Bereichen zu haben, mit denen man nicht so häufig konfrontiert ist. Solche Erfahrungen sind für ein tieferes Organisationsverständnis unerlässlich. Besonders gefreut hat mich die unkomplizierte Art unseres Besuchers, der sich für alle Bereiche interessiert hat und so viel wie möglich sehen wollte. Von der Fortführung des Projektes erhoffe ich mir, dass so viele Mitarbeiter wie möglich nicht nur die tollen Leistungen auf beiden Seiten, sondern auch die alltäglichen Probleme, die vielleicht nicht immer sichtbar sind, verstehen können und wir so gemeinsam die Arbeit für die Patienten optimieren können.“

Mag. Bettina Rausch, Bereichs­leiterin Organisationsentwicklung, Holding-Zentrale: „Aus ein paar Worten auf einem Flipchart ist ein Angebot entstanden, von dem einzelne Kolleginnen und Kollegen viel mitgenommen haben und von dem unsere gesamte Organisation nachhaltig profitieren wird. Es war schön zu sehen, was gelingen kann, wenn Kollegen aus Kliniken und der Zentrale vorbehaltlos und wertschätzend aufeinander zugehen und miteinander arbeiten. Je mehr Menschen einander und ihre Arbeit kennenlernen, je mehr wir voneinander wissen und miteinander ins Gespräch kommen, desto einfacher, erfolgreicher und wirkungsvoller wird auch unsere tägliche Zusammenarbeit sein. Darauf freue ich mich. Und auch darauf, dass ich dieses Projekt weiter begleiten darf.“

Mag. (FH) Martin Kaiser, Kaufm. Direktor, LK Waidhofen/Ybbs: „Mit Annabell Heiss, die damals im Regionalmanagement Mostviertel war, habe ich in meiner damaligen Funktion als IT-Leiter und stv. Kaufm. Direktor die erste Rochade im Unternehmen versucht – wir haben für drei Monate die Arbeitsplätze getauscht. Überrascht haben mich einerseits die Reaktionen mancher Mitarbeiter auf diese Möglichkeit, denn manche konnten sich dies für sich selbst überhaupt nicht vorstellen. Schön war die offene und herzliche Aufnahme an meinem neuen ‚provisorischen‘ Arbeitsplatz. Von der Fortführung des Projektes erhoffe ich mir den Abbau von Vorurteilen und Ängsten im Kontakt mit anderen Organisationeinheiten in unserem gesamten Unternehmen und dadurch eine Verbesserung der Zusammenarbeit. Das Projekt war eine tolle Erfahrung. Ich kann nur allen empfehlen, die Chance zu nutzen, wenn sich die Möglichkeit ergibt, in die andere Arbeitswelt zu schnuppern.“

Annabell Heiss, MA, Bereichsleiterin Wissenschaft, Forschung und Lehre, NÖGUS: „Es ist besonders für Personen, die aus einer anderen Branche oder frisch von der Universität oder Fachhochschule kommen, wichtig, den Klinikalltag zumindest einmal wirklich erleben zu können. Nur aus persönlichen Erlebnissen kann die Komplexität einer 24-Stunden-Versorgung wirklich verstanden werden. Das Projekt erlaubt einen umfangreichen Blick hinter die Kulissen. Es ist spannend, das Zusammenspiel zwischen Ärzteschaft, Pflege, IT bis hin zur Kostenrechnung einmal ‚live‘ zu erleben. Vom Projekt erhoffe ich mir, dass es für alle Beteiligten spürbar wird, dass wir ein großes interprofessionelles und interdisziplinäres Team sind. Und dass alle spüren, dass es auch uns, im manchmal ‚fern‘ erscheinenden St. Pölten, letztendlich um die Versorgung der Patienten geht.“

Christa Pehn, Pressekoordinatorin und stv. Kaufmännische Direktorin, LK Melk: „Mir war sehr wichtig, dass der Teilnehmer aus der Zentrale, in unserem Fall Mag. Wagner, sehr viel von der Basisarbeit in unserem Haus sehen und miterleben durfte, also wirklich an der ‚Front‘ dabei sein konnte. Ich finde es wichtig, dass man den Gästen auch ‚unscheinbare‘ Abteilungen zeigt – es funktioniert eben nichts ohne Technik usw. Auch diese Abteilungen sind wichtig, damit der Ring sich schließt. Damit wächst das Verständnis für die anderen Berufsgruppen. Das persönliche
Kennenlernen ist ein hoher Qualitätsfaktor, dadurch wächst ein besseres Verständnis für ein optimales Miteinander.“

Margit Pröglhöf, Assistentin der Kaufmännischen Direktion, LK Hollabrunn: „Dank der großartigen Kooperationsbereitschaft aller beteiligten Kolleginnen und Kollegen in unserem Klinikum empfand ich die Organisation im Vorfeld sehr unkompliziert. Auch die Praktikumswoche selbst verlief reibungslos, der geplante Ablauf konnte 1:1 umgesetzt werden. Ein persönlicher Kontakt ist immer noch die effektivste Methode, um eventuell vorhandene Vorurteile abzubauen und gegenseitiges Verständnis zu fördern.“

Paul Otzelberger, BSc, Stationsleiter, Palliativteam 1. Medizinische Abteilung, 1. Med 1, LK St. Pölten-Lilienfeld: „Die wichtigste Erkenntnis für mich: Hat nach den Jahren eine Sozialisierung in einem Bereich stattgefunden, stellt sich die vielbekannte Betriebsblindheit ein. Dieses Projekt ist eine Gelegenheit, diese abzustreifen und das eigene Klinikum mit anderen Augen wahrzunehmen. Es war sehr spannend, die gewohnten Abläufe aus einem anderen Blickwinkel wahrzunehmen und sich so selbst bewusst zu machen, auf welchem Niveau die Abläufe passieren, die einem selbst als so trivial erscheinen. Von der Fortführung des Projektes erwarte ich mir, dass das Verständnis für das gegenseitige Tun wächst und sich auch Möglichkeiten bieten, sich oder den eigenen Teilbereich in der Gesamtorganisation zu reflektieren. Ich bin der Meinung, dass die Idee dieses Projekts die kommunikative Ausrichtung unserer Organisation und ihren Entwicklungsweg zeigt. Dies erscheint mir als ein wichtiger Faktor, jedoch als kein Selbstverständnis einer Organisationskultur.“

Dipl. KH-BW Wolfgang Amenitsch, IKT-Regional­koordinator, Regionalmanagement Mostviertel: „Als Bringer dieses Themas war es für mich sehr erfreulich, dass auch meine Kollegen drinnen und draußen es als wichtig erachten und es so großen Zuspruch fand. Kommunikation zwischen Holding und Häusern ist das Um und Auf für das Funktionieren, sie muss leben, und Kommunikation funktioniert nur zwischen Menschen und nicht in Prozessen. Was mich gefreut hat: Nach langer Vorbereitung haben wirklich die ersten Kollegen das jeweils andere Universum betreten und erforscht. Ich erhoffe mir, dass auch die Fortführung des Projektes mehr Verständnis bringt. Eine Organisation, in der man als Mitarbeiter Schwächen aufzeigen darf, ist nicht alltäglich. Wenn aber auf Lösungsansätze von Mitarbeitern zurückgegriffen wird, ist das beinahe außergewöhnlich.“

DGKS Angela Kroitzsch, Pflegedirektorin, LK Horn-Allentsteig: „Die wichtigste Erfahrung war für mich die hohe Kompetenz in medizinischen Belangen der in der Zentrale administrativ tätigen Mitarbeiter (hier besonders der Leiter der Abteilung Einkauf, Christian Schauer). Überrascht und gefreut hat mich das hohe, ehrliche Interesse an der Klinikarbeit. Von der nächsten Runde des Projektes erwarte ich mir, dass viele Namen Gesichter bekommen und wieder öfter Dinge besprochen (Telefon) statt beschrieben (E-Mail) werden. Damit reduzieren sich Konflikte. Ebenso erhoffe ich auch, dass die gegenseitige Wertschätzung gesteigert wird. Was noch zu sagen ist: Wenn man Betreuer dieses Projektes im Haus oder in der Zentrale ist, muss die nicht unerhebliche Zeit dafür zur Verfügung gestellt werden. Gott sei Dank konnte ich sie mir nehmen.“

Mag. Heidemarie Köfler-Netouschek, Personalentwicklung, LK Baden-Mödling: „Der Austausch zwischen Mit­arbeitern der Zentrale und den Kliniken ist wichtig. Im direkten Kontakt wird vieles klarer, beide Seiten haben Gelegenheit, ihr Bild von den anderen zu erweitern und eventuell zu verändern. Mich hat gefreut, dass es letztendlich doch geklappt hat, denn in einem Klinikbetrieb ist nicht alles immer so genau planbar und vorhersehbar. Dafür ergeben sich spontan andere Gelegenheiten, die genützt werden können und die beide Teilnehmer in unserem Haus auch genützt haben. Ich hoffe, dass durch das Projekt gemeinsam, gezielter und besser abgestimmt an gemeinsamen Aufgaben gearbeitet werden kann und mehr Verständnis für die jeweilige Situation entsteht.“

„Lerne deine Kliniken kennen – Lerne deine Zentrale kennen“

Zusätzlich zu den sechs Klinikstandorten in der Pilotphase nehmen 2014 weitere zehn Klinikstandorte am Programm teil. In Abstimmung mit den Regionalmanagements und den Klinikleitungen wurden 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kliniken nominiert und werden vier Tage in der Holding-Zentrale verbringen. Ebenso werden 16 Mitarbeiter aus der Holding-Zentrale ihr Praktikum an einem der 16 Klinikstandorte absolvieren.
Dauer: 4 Tage, Inhalte im Klinikum: Kernprozess „Patient“: Patientenadministration, Ambulanz, Station, OP und Intensivbereich. Zusätzlich (je nach Wunsch) Unterstützungsprozesse wie Küche, Materialwirtschaft, Labor, Pathologie, Radiologie, IT usw. Eine Ansprechperson/zeitweise „Begleitung“ im Klinikum steht zur Verfügung. Inhalte in der Zentrale: In Abstimmung mit den Teilnehmenden wird ein individueller Ablauf erstellt, in Kleingruppen oder einzeln kann man die jeweiligen Abteilungen und Bereiche – auch im Rahmen von bestehenden Besprechungsstrukturen – kennenlernen.