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Für Umwelt & Klima

Gesundheit und eine gesunde Umwelt gehören zusammen. Deshalb achtet man in der NÖ Landeskliniken-Holding, dem größten Klinikbetreiber Österreichs, auf Umwelt- und Klimaschutz – sowohl beim Einkauf als auch beim Bauen.


Die aus dem LK Zwettl gewonnenen Erfahrungen sind auch für die Wärmeversorgung an anderen Klinikstandorten anwendbar.

Dr. Bernhard Kadlec (Kaufm. Dir. LK St. Pölten), Mag. Karl Wilfing, Bürgermeister Mag. Matthias Stadler und Dr. Peter Layr (EVN) im Maschinenraum der Fernkälteanlage

Klima-Menü 2013 im LK Mistelbach-Gänserndorf: (v.l.) Küchengehilfin Christine Leisser, Landesrat Mag. Karl Wilfing, Koch Rainer Dworak

Die Quadratur des Kreises – daran erinnern die Vorgaben, wenn in der NÖ Landeskliniken-Holding Entscheidungen bei der Beschaffung und bei Bauprojekten fallen: Da stehen Umwelt- und Klimaaspekte sowie die Sparsamkeit ebenso im Blickpunkt wie die vielen verschiedenen gesetzlichen Vorgaben und Richtlinien sowie die jeweiligen Ansprüche und Bedürfnisse jener Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit den jeweiligen Produkten und Geräten arbeiten.

Regional & saisonal

Bei den Lebensmitteln legen die Verantwortlichen in den Küchen und im Einkauf bewusst Wert auf Produkte aus ökologischer und biologischer Erzeugung. Der Bioanteil betrug im Vorjahr 29 Prozent. Regionalität bedeutet kurze Transportwege: Rund 74 Prozent der verwendeten Lebensmittel kommen von Lieferanten aus Niederösterreich.

Fachgruppen entscheiden

Bei Toilettenpapier und Papierhandtüchern kommen nur zertifizierte Produkte in die Häuser, zum Beispiel nach ÖNORM EN ISO 14001 (Umwelt) oder EN ISO 9001:2008 (Qualität). Werden zum Beispiel Medizinprodukte gekauft, entscheiden Ärztinnen und Ärzte sowie das Pflegepersonal mit, wobei Aspekte des Umwelt- und Klimaschutzes eine wichtige Rolle spielen, aber ebenso Hygiene- und Sicherheitsnormen sowie gesetzliche Vorgaben. Funktionsübergreifende Teams, sogenannte Fachgruppen, definieren neutrale und objektive Qualitätsanforderungen für Medizinprodukte, pharmazeutische Produkte und sonstige Verbrauchsgüter. Dabei achten sie auf patientenund mitarbeitersichere Handhabbarkeit, ökologische Verträglichkeit und Ökonomie. Seit fünf Jahren sind alle baulichen Aktivitäten wie Instandhaltung, Um- und Neubauten für die 27 Standorte in der Holding-Zentrale gebündelt. Dabei steht die gesamtheitliche Betrachtung des Lebenszyklus eines Klinikums im Vordergrund, beginnend bei einer ressourcenschonenden und nachhaltigen Planung über einen optimierten Bauprozess bis hin zum optimierten Abbruch- und Recyclingprozess. Bei Um- und Neubauten wird das Pflichtenheft „Energieeffizienz für NÖ Landesgebäude“ verbindlich umgesetzt.

Energiemanagement

Die 27 Klinikstandorte machen rund zwei Drittel des jährlichen Gesamtenergiebedarfs aller NÖ Landesgebäude aus. Bedingt durch den 24-Stunden-Betrieb, das hohe Ausmaß an moderner Technik sowie hohe hygienische Anforderungen. Insgesamt liegt der Verbrauch bei rund 30 Millionen Euro Gesamtenergiekosten im Jahr. Umso wichtiger ist der ressourcenschonende Umgang mit Rohstoffen und Primärenergie bei der Errichtung und im Betrieb – von einer vorausschauenden Planung über eine ökologisch orientierte Errichtung bis zum Einsatz von alternativen Energien.

Erneuerbare Energiequellen

Die NÖ Landeskliniken nutzen verschiedene Quellen erneuerbarer Energie. Der Fokus liegt auf Wasserkraft (Strommix), Biomasse (Raumheizung und Warmwasserbereitung) und Sonnenenergie (Solarthermie und Photovoltaik). Biomasseheizwerke decken bereits jetzt den gesamten Energiebedarf für Raumheizung und Warmwasserbereitung von 16 Klinik-Standorten. Damit wird mehr als ein Drittel der gesamten Objektwärmeversorgung durch eine CO2-neutrale Energiequelle gewährleistet. Bei Neuerrichtungen, umfangreichen Erweiterungen oder Generalsanierungen von NÖ Landeskliniken werden standardmäßig Solaranlagen verwendet. Thermische Solarsysteme unterstützen vorwiegend die Warmwasserbereitung. 15 Klinikstandorte wurden 2012 in Hinblick auf eine potentielle Nachrüstung von thermischen Solarsystemen evaluiert, mögliche Aufstellflächen und technische Machbarkeit überprüft sowie erforderliche finanzielle Investitionen abgeschätzt. 15 Klinikstandorte wurden für die Aufstellung von Photovoltaikanlagen beleuchtet und die Ergebnisse als Entscheidungsgrundlage für eine künftige Umsetzung zusammengestellt.

Vorzeigeprojekt: LK Zwettl

Für den Neubau des LK Zwettl wurde ein umfassendes Energiekonzept ausgearbeitet (siehe auch Seite 17):

  • Kraft-Wärme-Kältekopplung mit Blockheizkraftwerk und FCKW (Fluorchlorkohlenwasserstoffe)- freier Absorptionskältemaschine (Strom-Wärme- Kälteverbund) für die Grundlast
  • oberflächennahe Geothermie zur Vorkonditionierung der Außenluft für die Lüftungsanlagen des Klinikums (Luft-Erdwärmetauscher). Diese wird über ein oberflächennah verlegtes Rohrsystem im Winter geothermisch vorgewärmt und im Sommer vorgekühlt.
  • Geothermie-Tiefenbohrungen, bei der die vom Erdreich aufgenommene Energie für Heiz- und Kühlzwecke verwendet wird
  • aktive Solarthermie zur Brauchwasserbereitung (Solarkollektoren): Am Dach des Gebäudes wurden Sonnenkollektoren mit einer Gesamtfläche von 160 m2 aufgestellt.
  • hocheffiziente Lüftungsanlagen mit geringem elektrischem Aufwand und hohem Wärmerückgewinnungsgrad
  • LED-Beleuchtungssysteme mit geringem Energieverbrauch bei vergleichbarer Lichtausbeute Die bei diesem Vorzeigemodell gesammelten Erfahrungen werden bei künftigen Um- und Neubauprojekten im jeweils möglichen Rahmen umgesetzt. Das Projekt „Landesklinikum Zwettl Geo-Solar-Energiekonzept“ wurde in der Kategorie „Erde“ für den Energy Globe 2013 eingereicht und auch ausgezeichnet. 

 

INFOBOX

Fernkälte für Landesklinikum St. Pölten

Statt Strom wird künftig Wärme für die Erzeugung von Kälte verwendet. Entscheidend für die Umweltfreundlichkeit ist die Herkunft der Wärme, die hier aus der hocheffizienten Kraft- Wärme-Kopplungsanlage in Dürnrohr stammt, mit der auch zwei Drittel der benötigten Fernwärme für das LK St. Pölten kommen. Die Nutzung reiner Abwärme für die Produktion von Fernkälte führt zu einem deutlich geringeren Verbrauch an fossilen Brennstoffen und damit zu wesentlich geringeren Emissionen – pro Jahr werden so rund 630 Tonnen CO 2 vermieden. Die technischen Arbeiten der Fernkälte-Anlage begannen im Juli 2012. Seit April läuft der Probebetrieb und seit Juni 2013 wird der erste Teil des Landesklinikums mit Fernkälte versorgt. Das Investitionsvolumen für den ersten Bauabschnitt beläuft sich auf 8,2 Millionen Euro. Im Endausbau, der in den nächsten Jahren erfolgt, beträgt die geplante Kapazität 14 Megawatt. 

INFOBOX

Klimafreundlich essen

Bei der Klima-Aktionswoche von 30. Mai bis 5. Juni 2013 kochten die Klinik-Küchen nach dem Motto „Klimaschutz. Wir tun was“. Ganz nach den Leitkriterien „regional, saisonal, biologisch und fair“, stammen die Hauptzutaten für Klima- Menüs aus regionaler und saisonaler Produktion, aus kontrollierten biologischen landwirtschaftlichen Betrieben oder aus fairem Handel. Denn heimische Bioprodukte haben kürzere Transportwege, sind frischer, besonders nährstoffreich, schmecken besser und verbrauchen weniger Energie in der Produktion. Ein Grund für die Aktionswoche: Das Ernährungsverhalten bestimmt maßgeblich den globalen Verbrauch an Ressourcen und verursacht erhebliche Treibhausgas-Emissionen. In Industrieländern kommen rund 20 Prozent der CO 2-Emissionen aus der Lebensmittelbranche.