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Im Kampf gegen Keime

Eine „Task Force“ zur Sicherheit der Patienten und Mitarbeiter: Die Hygieneteams in den NÖ Landeskliniken versuchen gemeinsam mit den behandelnden Ärzten und Pflegekräften, Infektionen zu verhindern.


Das Hygieneteam im LK Zwettl: Hygienebeauftragter DGKP Jürgen Friedl, MSc, und Dr. Biserka Dangl

Die Hygienebox wird für Schulungen verwendet: Das fluoreszierende Licht macht sichtbar, an welchen Stellen die Hände unzureichend desinfiziert wurden – und damit anfällig für Keime sind.

Prim. Dr. Christoph Aspöck, Vorsitzender ARGRU Krankenhaus-Hygiene und Vorstand des Instituts für Hygiene und Mikrobiologie im LK St. Pölten

DGKP Leopold Karner, Vorsitzender ARGRU Krankenhaus- Hygiene und Hygienefachkraft im LK Krems

Jedes Jahr infizieren sich in Österreich tausende Menschen im Krankenhaus mit einem Keim. Einige davon, vor allem Menschen mit chronischen Grundkrankheiten, schwachem Immunsystem, aber auch Neugeborene und gebrechliche Personen, können daran sterben. Nosokomiale, also im Zusammenhang mit dem Krankenhausaufenthalt erworbene, Infektionen gehören zu den bedeutendsten Risikofaktoren der modernen Spitzenmedizin und sind daher auch Thema in den NÖ Landeskliniken. Besonders gefährlich sind multiresistente Bakterien wie etwa MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus), ein Bakterium, das gegen viele Antibiotika resistent und damit schwer zu bekämpfen ist. „Rund 20 bis 30 Prozent der Krankenhaus-Infektionen sind mit gezielten Hygienemaßnahmen vermeidbar“, sagt Prim. Dr. Christoph Aspöck, Vorsitzender der ARGRU Krankenhaus-Hygiene (siehe Kasten) und Vorstand des Instituts für Hygiene und Mikrobiologie im LK St. Pölten. In jedem NÖ Landesklinikum gibt es – gesetzlich vorgeschrieben – ein Hygieneteam, das sich genau darum kümmert: Keime bekämpfen, um Infektionen zu vermeiden. Dieses Team besteht in der Regel aus einer Hygienefachkraft aus der Pflege (zuständig für den pflegerischen Bereich) und aus einer Ärztin/einem Arzt (zuständig für den medizinischen Bereich). Die Hygienefachkraft macht dies meistens hauptberuflich, während die Ärzte je nach Bettenanzahl des Hauses ein gewisses Stundenkontingent dafür zur Verfügung haben bzw. diese Tätigkeit zusätzlich zu ihrer ärztlichen Funktion ausüben. Das Hygieneteam ist als Stabsstelle der Klinikleitung unterstellt und hat primär beratende Funktion.

Gemeinsam im Team

Im LK Zwettl beispielsweise besteht das Hygieneteam aus DGKP Jürgen Friedl, MSc, stellvertretender Pflegestandortleiter, und Dr. Biserka Dangl, die zusätzlich noch Betriebsärztin und Arbeitsmedizinerin im Haus ist. Gemeinsam kümmern sie sich um einen vielfältigen Aufgabenbereich und auch darum, Vorurteile aus dem Weg zu räumen, sagt Friedl, seit dem Jahr 2002 Hygienefachkraft: „Bei Krankenhaus-Hygiene geht es nicht um Putzen, sondern um wissenschaftlich fundierte evidenzbasierte Hygienemaßnahmen. Um als Hygienefachkraft zu arbeiten, braucht man eine spezielle einjährige Sonderausbildung und profundes Wissen.“ Ständig halten die beiden Kontakt zu allen Abteilungen, machen Schulungen, orten Gefahrenquellen, erarbeiten neue Richtlinien, beantworten Fragen zum richtigen Umgang mit Durchfallerkrankungen, Infektionen usw. Schließlich sollen derartige Erreger nicht auf andere Patienten übertragen werden. „In einem Krankenhaus gibt es nun einmal eine Vielzahl an Keimen, manche weniger gefährlich als andere. Man sieht sie zwar nicht, doch man darf sie keinesfalls unterschätzen“, erklärt Hygieneärztin Dangl.

Hände desinfizieren

Eine der wichtigsten Maßnahmen im Kampf gegen Keim-Übertragungen ist ebenso einfach wie effizient: die richtige Händedesinfektion. Als Faustregel gilt: Eine Hohlhand voll Desinfektionsmittel gründlich, über mindestens 30 Sekunden in den Händen verreiben. Und das vor und nach jedem Patientenkontakt. In regelmäßigen Schulungen veranschaulicht das Team mit der Hygienebox, welche Stellen an den Händen unzureichend mit Desinfektionsmittel benetzt wurden (siehe Foto). Das Gefährliche daran: Führt man die Händedesinfektion nicht korrekt und häufig genug durch, wird man selbst zum potentiellen Keim-Überträger – mit vielleicht schlimmen Konsequenzen für den Patienten. Auch Patienten, Angehörige und Besucher sollten sich die Hände desinfizieren. In einigen Landeskliniken wurden daher im Eingangsbereich berührungslos funktionierende Händedesinfektionsmittelspender aufgestellt (siehe Seite 21).

Einfach & wirksam

Die richtige Händehygiene ist also einer der Schlüssel zum Erfolg, deshalb werden die Hygieneteams nicht müde, die Mitarbeiter immer wieder daran zu erinnern. „Wir sind die Propheten, die ständig dasselbe predigen“, meint DGKP Leopold Karner aus dem LK Krems. Er ist einer der längstdienenden Hygienefachkräfte in Niederösterreich und Vorsitzender der ARGRU Krankenhaus-Hygiene. Seit 1997 arbeitet er in diesem Bereich: „Egal welche technische Neuerungen es gibt: Ohne die richtige Händehygiene geht gar nichts, sie ist und bleibt die einfachste, billigste und wirksamste Maßnahme, um Keimübertragungen zu reduzieren.“ Auch das Thema Schmuck sei ein Dauerbrenner, sagt er: „Schmuck an den Händen und Unterarmen, inkl. Nagellack, ist im Krankenhaus verboten, er bietet einfach ein höheres Keimreservoir. Da ist auch eine Hände-Desinfektion nicht ausreichend wirksam.“ Karner fordert alle Mitarbeiter auf, sich bei Fragen jederzeit ans Hygieneteam zu wenden: „Wir sind praktisch immer erreichbar und stellen gern unser Know-how zur Verfügung.“ Die Affinität zur Hygiene kann sich bis ins Privatleben ziehen, sagt Jürgen Friedl lachend: „Beim Einkaufen kann ich mein hygienisches Grundverständnis nicht einfach so abschalten. Fährt sich eine Verkäuferin beim Wurstschneiden etwa mit den Fingern ins Gesicht, dann weise ich sie darauf hin, dass sie damit Keime auf die Wurst überträgt. Mit der Konsequenz, dass meine Frau nicht mehr mit mir gemeinsam einkaufen geht.“ Das ist gelebte Hygiene – besser übertrieben als vernachlässigt. 

 

 

ARGRU Krankenhaus-Hygiene

NÖ Die Arbeitsgruppe (AR GRU) Krankenhaus-Hygiene ist das verbindende Gremium aller Hygienefachkräfte, hygienebeauftragen Ärzte und Hygienefachärzte aus den NÖ Landesklinken. 2002 ging die AR GRU aus verschiedenen Arbeitskreisen hervor. Viermal jährlich treffen einander die Hygieneteams aller 27 Klinikstandorte zu einem Arbeitstreffen. Geleitet wird die AR GRU von Prim. Dr. Christoph Aspöck, Vorstand des Instituts für Hygiene und Mikrobiologie im LK St. Pölten, und DGKP Leopold Karner, Hygienefachkraft im LK Krems. Die NÖ Sanitätsdirektion ist mit Dr. Robert Kellner als außerordentliches Mitglied vertreten. Eine kleine Gruppe der AR GRU bildet mit der Medizinischen Geschäftsführung der NÖ Landeskliniken-Holding den Fachbeirat Hygiene. 

 

Aufgaben des Hygieneteams

Umsetzung aller notwendigen Maßnahmen, die der Erkennung, Verhütung und Bekämpfung von Infektionen dienen:

  • Erstellung von Richtlinien und Standards
  • Erarbeitung von Hygieneplänen in Zusammenarbeit mit dem Personal der Abteilungen n Überwachung von hygienetechnischen Kontrollen gemeinsam mit Haus- und Betriebstechnik
  • Schulungen für die Bereiche Reinigung/Desinfektion, Küchenhygiene
  • Beratung bei Planungen für Neu-, Zu- und Umbauten sowie bei der Anschaffung von Geräten und Gütern, durch die eine Infektionsgefahr entstehen kann
  • Infektionserfassung postoperativer Wundinfektionen bei definierten Operationen
  • Durchführung von Hygienevisiten n Beratung der Klinikleitung in hygienerelevanten Fragen