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LIS: Work in Progress

Die Labors der NÖ Kliniken werden auf einer EDV-Plattform mit einheitlichen Abläufen arbeiten (LIS) – ein langer und herausfordernder Weg, der aber Qualitätssicherung und finanzielle Ersparnisse verspricht.


„Wir brauchen eine Standardisierung, damit die Laborergebnisse in allen Kliniken auf einen Blick zu lesen sind.“ Prim. Harald Rubey, Institut für Medizinisch-Chemische Labordiagnostik, LK Mistelbach-Gänserndorf

„Es ist für alle Berufsgruppen eine Umstellung. Aber wir steigern die Qualität und setzen unsere Ressourcen noch effizienter ein.“ DI Franz Laback, MBA, Kaufmännischer Direktor, Uniklinik Krems

„Wir müssen bei der Harmonisierung und Standardisierung einfach akzeptieren, dass es Zwischenlösungen gibt. Das ist organisationales Lernen.“ Ing. Stefan Prucker, Regionalkoordinator IKT Weinviertel

„Jedes Labor der Thermenregion arbeitet sozusagen in einer anderen Sprache.“ Prim. Dr. Karin Köhrer, MSc, MBA, Institut für medizinisch-chemische und molekularbiologische Labordiagnostik mit Blutdepot/Zentrallabor Wiener Neustadt

Gerti Wimmer, zuständig für die EDV-Implementierung in den Labors der Thermenregion

Wenn die Leiterin des Zentrallabors in Wiener Neustadt, Prim. Dr. Karin Köhrer, MSc, MBA, einen der rund 2.100 Laborbefunde überprüft, die in einer der fünf Kliniken der Thermenregion Tag für Tag erstellt werden, muss sie sozusagen ständig „in eine andere Sprache“ wechseln: Jedes der fünf Labors arbeitet mit einem anderen Laborinformationssystem und dadurch mit einer anderen Benutzeroberfläche, anderen Abläufen, anderen Bezeichnungen, Messgrößen und Auflistungen der Analyse-Ergebnisse. Sollte bei einer der Proben etwa in Mödling der Verdacht auf Leukämie aufkommen, sind spezielle Untersuchungen gefragt, die Probe kommt nach Wiener Neustadt. Dann kann Köhrer im leistungsstarken Zentral­labor nicht einfach dort weiterarbeiten, wo die Mödlinger aufgehört haben, sondern muss nochmals von vorne beginnen, beim Anlegen des Datensatzes und der Basis-Analyse – weil ihr Labor ganz anders funktioniert.
Doch mit dieser babylonischen Vielfalt in der Laborarbeit soll in der Thermenregion bis Ende 2015 Schluss sein: Im Februar 2015 wechselt das LK Wiener Neustadt in das neue Laborinfosystem LIS. Danach folgen Schritt für Schritt alle Kliniken der Thermenregion. Vor der Installierung werden sämtliche Stationen und Abteilungen der einzelnen Kliniken geschult – eine große Herausforderung, aber „alle Stationen tragen das voll mit“, sagt Köhrer.

In ganz NÖ hat jedes Klinikum ein eigenes Laborsystem, in allen Landeskliniken zusammen sind es hunderte verschiedene Analysesysteme. Jeder Arzt, der von einem Klinikum in ein anderes wechselt, muss die Laborbefunde „wie in einer anderen Sprache“ lesen, erklärt Prim. Harald Rubey, Laborchef im LK Mistelbach-Gänserndorf, aus dem Projektteam LIS: „Im einen Befund heißt es ‚Blutzucker‘, im anderen ‚Glucose im Serum‘, im dritten ‚Glucose im Plasma‘ – und das ist nur fast dasselbe. Und die Werte sind in unterschiedlichen Einheiten angegeben. Wir brauchen eine Standardisierung, damit wir immer vom Selben reden und die Daten für Blutzucker in derselben Einheit und demselben Referenzrahmen immer an der gleichen Stelle im Befund stehen.“ Vereinheitlichen, standardisieren, harmonisieren – das ist Work in Progress, sagt Ing. Stefan Prucker, Regionalkoordinator IKT Weinviertel: „Die Umstellung ist ein Beispiel für organisationales Lernen: Ständig ändert sich etwas, zum Beispiel weil es neues Wissen gibt. Wir müssen akzeptieren, dass es Zwischenlösungen gibt.“
Prinzipiell aber stimmt die Richtung, denn sie orientiert sich an den Richtlinien der Österreichischen Gesellschaft für Laboratoriumsmedizin und Klinische Chemie (www.oeglmkc.at). NÖ habe das Thema als erster Träger aufgegriffen, freut sich Prucker.

Für DI Franz Laback, Kaufmännischer Direktor des Pilot-Hauses Krems, ist wichtig, dass das neue LIS eine Arbeitsentlastung bringt. So werde die Laborleistung auf den Stationen bei der Blutabnahme statt auf Papier elektronisch angefordert und „die Ergebnisse sind für die behandelnden Teams sofort auf dem Bildschirm sichtbar, niemand muss die Befunde mehr durch das Haus tragen. Es ist für alle Berufsgruppen eine Umstellung, und es müssen auch alle anders zusammenarbeiten als bisher. Aber wir steigern die Qualität und setzen unsere Ressourcen effizienter ein – auch bei der Materialbeschaffung, der Gerätebeschaffung und -wartung.“