Operieren am Simulator
Genauso wie ein Pilot erst nur am Simulator fliegt, entfernt ein Chirurg auch nicht sofort eine menschliche Gallenblase. Für Jungärztinnen und Jungärzte gibt es nun ein spezielles Training.

Im Laparoskopischen Trainingszentrum in Krems erlernen Chirurgen bei OA Dr. Elmar Haiden (r.) die Grundlagen für endoskopische Operationen.

Prim. Assoc. Prof. Dr. Elisabeth Stubenberger, Leiterin der Abteilung für Allgemein- und Thoraxchirurgie am Universitätsklinikum Krems. FOTOS: Philipp Monihart
Operationen in Brustkorb oder Bauchraum führt man heute möglichst oft minimal-invasiv durch. Das bedeutet, dass Chirurginnen und Chirurgen von außen durch kleine Schnitte in der Haut mit langen, dünnen Werkzeugen im Inneren des Körpers arbeiten, was deutlich weniger Verletzungen an Haut oder Weichteilen verursacht. Diese sogenannte Knopflochchirurgie wendet man beispielsweise bei der Entfernung der Gallenblase, des Blinddarms, der Gebärmutter oder der Lungenlappen an. Das Bedienen der Geräte und das Zurechtfinden im Körperinneren ist eine schwierige Angelegenheit, die man ausreichend üben muss, bevor man am Patienten operieren soll und kann. Um diese Lernphase zu verkürzen, gibt es nun im Universitätsklinikum Krems ein Laparoskopisches Trainingszentrum, das als Ausbildungsstätte für solche Eingriffe dient. Dort befinden sich zwei Simulatoren, mit denen jeder Handgriff trainiert werden kann.
Ausbildung für alle
Prim. Assoc. Prof. Dr. Elisabeth Stubenberger ist die Leiterin der Abteilung für Allgemein- und Thoraxchirurgie am Universitätsklinikum Krems und seit 14 Jahren auf Lungenoperationen spezialisiert. Ihr großes Anliegen ist, dass alle niederösterreichischen chirurgisch tätigen Ärzte, die endoskopisch arbeiten sollen, eine Ausbildung im Trainingszentrum in Krems absolvieren – also neben den Chirurgen auch Gynäkologen und Urologen. „Damit können wir die Lernkurve vor den Operationssaal verlegen und den jungen
Chirurgen rasch ein Gefühl dafür vermitteln, wie es ist, mithilfe der Knopflochtechnik zu arbeiten“, erklärt Stubenberger. So sind die Chirurgen in Zukunft schneller einsatzbereit. Bislang übten die angehenden Operateure entweder an sogenannten P.O.P.-Trainern (Boxen, in denen Eingriffe an Tierorganen vorgenommen werden) oder assistieren direkt am Patienten.
Nahe an der Realität
Durch die beiden Simulatoren in Krems ist eine effizientere Ausbildung möglich, wie OA Dr. Elmar Haiden, 1. Oberarzt der Abteilung und Initiator des Trainingszentrums, erläutert: „Man operiert mit drei Joysticks, die aussehen und sich anfühlen wie endoskopische Werkzeuge. Das Gerät simuliert nicht nur Widerstände, wie man sie beim realen Operieren auch spüren würde, es sind auch verschiedene Komplikationen eingebaut. Es kann also passieren, dass man während der Simulation eine Blutung stoppen muss oder Ähnliches.“ Die Software erkennt auch, welche Hand die dominantere ist und wertet nach der Übung genau aus, was man noch trainieren muss. Als umfassende Ausbildung zum „Knopflochchirurgen“ will man die Stunden am Simulator allerdings nicht verstanden wissen. „In unserem Laparoskopischen Zentrum lernt man einmal die Grundlagen für diese Eingriffe. Es geht um das Gefühl für das Werkzeug und weniger um die Eingriffe selbst“, erklärt Haiden.
Auch österreichweit denkbar
Für Ärztinnen und Ärzte der NÖ Kliniken ist das Angebot kostenfrei und wird über den Bildungskatalog der Holding organisiert. In Zukunft möchte man es auch auf nationale Ebene ausdehnen, wie Stubenberger betont: „Die Finanzierung muss noch abgeklärt werden, aber die Ausbildung der chirurgisch Tätigen in den umliegenden Bundesländern wäre ein wichtiger Schritt für eine effiziente Ausbildung, denn derzeit verfügen wir in Krems über die einzigen beiden Simulatoren in ganz Österreich.“
Die Ausbildung im Laparoskopischen Trainingszentrum besteht aus zwei Kursen zu je acht und sechzehn Stunden. Bisher fanden bereits zwei Kurse statt. Pro Kurs werden nur zwischen drei und sechs Personen unterrichtet, sodass intensiv gearbeitet werden kann. Für heuer sind drei weitere Kurse geplant.





