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Sicherer, schneller, günstiger

Für die Telekonsultation zur Radiologie-Fremdbefundung gibt es jetzt ein wesentlich schnelleres System mit besserer Behandlungsqualität.


Otto Huterer, Bereich

Stellen Sie sich vor, eine Angehörige hat einen Unfall, nachts, in der Nähe von Amstetten. Sie wird in das Landesklinikum eingeliefert, der Unfallchirurg ist sich nicht ganz sicher, ob die Kopfverletzung auch das Gehirn betrifft und ein Neurochirurg die Behandlung übernehmen muss. Er lässt Bilder machen und schickt sie an den diensthabenden Neurochirurgen im Universitätsklinikum St. Pölten. Dieser befundet die Bilder und gibt seine Diagnose am Telefon durch. Sie als Angehöriger warten auf das Ergebnis: Überstellung nach St. Pölten oder Behandlung vor Ort in Amstetten?


Win-win-Situation

Was bisher trotz aller Eile im besten Fall kaum unter einer dreiviertel Stunde zu schaffen war, ist künftig nur ein paar Mausklicks und Minuten entfernt. Die Bilder wurden bisher vom Radiologieassistenten als Paket geschickt, künftig fließen sie als Streaming direkt vom Facharzt-Bildschirm zum Facharzt-Bildschirm und beide können nach wenigen Minuten telefonisch die nächsten Schritte für den Patienten besprechen. Der befundende Arzt hat automatisch Einsicht in alle relevanten Patientendaten wie Laborwerte, OP-Berichte, radiologische Befunde. Die Daten des Patienten mussten bisher im Klinikum, das die Telekonsultation leistet, im Krankenhausinformationssystem KIS neu angelegt werden, künftig werden sie automatisch mitgeliefert – was Fehler und Doubletten vermeidet.

Der Konsultationsbefund musste geschrieben, ausgedruckt, gefaxt werden; einlangende Faxe mussten mühsam eingescannt werden, damit sie als Dokument im hauseigenen KIS lesbar sind. Künftig hat der behandelnde Arzt den Befund auf Knopfdruck des befundenden Arztes gleich im KIS. Otto Huterer, Bereich Medizinische IT-Services der Abteilung Informations- und Kommunikationstechnologie, erklärt: „Die Telekonsultation funktioniert im KIS über das NÖ Befund­informationssystem NÖBIS, die PACS-Bilder sind integriert – das funktioniert rund um die Uhr. Das Neue daran ist, dass NÖBIS bisher nur als Abfrage-Plattform genutzt werden konnte, jetzt kann es auch Bilder versenden.“ Das Pilotprojekt zwischen dem LK Wiener Neustadt und dem LK Baden-Mödling hat sich bewährt. Die Landeskliniken Melk, Scheibbs, Amstetten und Waidhofen/Ybbs können per Telekonsultation die Kompetenzen im Universitätsklinikum St. Pölten nutzen. 2016 wird der niederösterreichweite Ausrollplan erstellt, um alle Häuser in NÖ zu vernetzen. Heuer kommen die Kliniken Krems, Klosterneuburg und Waidhofen/Thaya ins System und werden schon vorbereitet.

Die Anwender sehen in der deutlich schnelleren Begutachtung eine Zeitersparnis, die Leben retten kann, sagt etwa Ass. Dr. Stefan Schweiger, Neurochirurg am LK Wiener Neustadt: „Wenn wir Patienten mit einem Schädel-Hirn-Trauma innerhalb einer Stunde behandeln, reduziert sich die Gefahr von bleibenden Schäden deutlich.“ Und sie erspart Arbeitszeit – bei den wartenden Ärzten sowie den RTAs, die bisher den Datentransfer organisieren mussten. Ein weiterer entscheidender Vorteil ist die Datensicherheit. Huterer freut sich über die Begeisterung jener Ärzte, die das neue System bereits nutzen können. Und über das Interesse aus der Schweiz und Großbritannien, die bereits Delegationen nach Wiener Neustadt geschickt haben.