< vorhergehender Beitrag

Stolpersteinverlegung beim LK Wiener Neustadt

Am Areal des Landesklinikums Wiener Neustadt, am Corvinusring 16, wurde zur Erinnerung an das NS-Opfer Alfred Wödl ein Stolperstein verlegt. Das Erinnerungsprojekt „Stolpersteine“ ist eine Initiative des Kölner Künstlers Gunter Demnig. Kleine Messingsteine, verlegt zwischen den Pflastersteinen, sollen an Wiener Neustädter Opfer des NS-Regimes erinnern. Diese werden stets am Wohnort oder an der Wirkungsstätte des Opfers eingesetzt.


Der Kaufmännische Direktor des Landesklinikums Wiener Neustadt Mag. Andreas Gamlich und die Assistentin des Regionalmanagers der Thermenregion Dipl. KH-BW Ingrid Schwarz, MSc verlegten gemeinsam mit Dr. Anton Blaha (Arbeitskreis Stolpersteine für Wiener Neustadt) und weiteren Engagierten des Projekts den Stolperstein für Alfred Wödl.

Am Gelände des Landesklinikums Wiener Neustadt wurde im Gedenken an das NS-Opfer Alfred Wödl ein Stolperstein verlegt.

Anny Wödl mit ihrem Sohn Alfred

„Die Aktion Stolpersteine für Wiener Neustadt ist ein wichtiger Beitrag der geschichtlichen Aufarbeitung des Zweiten Weltkriegs. Das Bücken, um die Texte auf den Stolpersteinen zu lesen, ist eine symbolische Verbeugung vor den Opfern und deren Schicksal. Mit dem Stolperstein für Alfred Wödl gibt es nun auch im Landesklinikum einen Ort der Erinnerung“, so der Kaufmännische Direktor des Landesklinikums Wiener Neustadt Mag. Andreas Gamlich. 

Der am Gelände des Landesklinikums verlegte Stolperstein erinnert an den 1934 geborenen Alfred Wödl, der mit seiner Mutter am Corvinusring 16 wohnte. Drei Wochen vor Alfred Wödls Geburt erlitt seine Mutter, Anny Wödl, eine Rauchgasvergiftung, wodurch sie längere Zeit bewusstlos war. Die spätere Entwicklung des Kindes war dadurch beeinträchtigt. Alfred Wödl konnte nicht gehen lernen und auch das Erlernen des Sprechens gelang nur langsam. Am 1. April 1939 wurde daher von Amts wegen die Aufnahme in die Pflege- und Beschäftigungsanstalt für Kinder in Gugging verfügt.  

Seine Mutter, Krankenschwester im AKH, hatte zuvor bereits gegen die Verschickung und anschließende Euthanasie von Patientinnen und Patienten aus der Anstalt „Am Steinhof“ gekämpft. Sie sprach sogar im Reichsinnenministerium bei Dr. Linden in Berlin vor, jedoch erfolglos. Als sie dann aus der Anstalt in Gugging die Nachricht bekam, dass auch ihr Sohn für einen Abtransport – vermutlich in die Tötungsanstalt Hartheim – vorgesehen war, fuhr sie abermals zu Dr. Linden nach Berlin, diesmal als Bittstellerin in eigener Sache. Das Einzige, das sie erreichen konnte, war die Zusage, dass ihr Sohn in die Kinderfachabteilung „Am Spiegelgrund“ verlegt werde und dort mittels Medikamenten einen „sanften“ Tod erleiden könnte. 

Am 6. Februar 1941 wurde der 6-Jährige dort aufgenommen und am 22. Februar starb er schließlich an „Lungenentzündung“, der in den allermeisten Fällen genannten Todesursache. Alfred Wödl ist eines der 789 Opfer der Klinik „Am Spiegelgrund“, der zweitgrößten Kinderfachabteilung des Deutschen Reiches.