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Synergien nutzen

Ein Institut, ein Vorstand, zwei Standorte: Das Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie des Landesklinikums Baden-Mödling ist ein gutes Beispiel für standortübergreifende Zusammenarbeit.


Prim. Univ.-Prof. Dr. Andreas Chemelli (1. v. l.) mit einem Teil des Teams am Standort Baden: (v.l.) leitende RT Karin Klein, Dr. Philipp Krapfenbauer, RT Cornelia Nowacki, RT Matthias Feuchtenhofer, RT Margit Thometich, OA Dr. Alfred Rzidky, OÄ Dr. Sonja Lattenmayer-Meizer, OA Dr. Gottfried Obholzer

Ein Teil des Teams am Standort Mödling: (v. l.) OA Dr. Roland Goldsteiner, RT Barbara Zöch, OA Dr. Mohammad Mehdi Naderi, stv. leitende RT Claudia Steinschütz, MTF Andreas Luef, OÄ Dr. Elisabeth Hoffmann, Prim. Univ.-Prof. Dr. Andreas Chemelli. Fotos: Felicitas Matern

„Montag und Mittwoch bin ich in Mödling, Dienstag und Donnerstag in Baden, Freitag in der Früh in Baden und am Nachmittag in Mödling.“ Klingt eigentlich ganz simpel, wenn Prim. Univ.-Prof. Dr. Andreas Chemelli erklärt, wie es gelingt, das Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie an zwei Standorten zu führen. Im Jänner 2013 übernahm der Vorarlberger das Primariat und hatte die Aufgabe, die Radiologie-Einheiten in Baden und Mödling zu einem gemeinsamen Institut zusammenzuführen. Vieles wurde neu organisiert und strukturiert, beispielsweise die Zuweisungsformulare vereinheitlicht. Besonderes Augenmerk lag auf der Entwicklung eines gemeinsamen standortübergreifenden Teams. So wird etwa der Nachtdienst in Baden nun von beiden Teams bestritten, der Standort Mödling – wie bisher – in den Nachtstunden von Baden aus teleradiologisch versorgt. Videokonferenzen und ein einheitliches Befundsystem erleichtern die Zusammenarbeit: Beide Standorte arbeiten mit PACS (Picture Archiving and Communication System), einem medizinischen Bildarchivierungs- und -kommunikationssystem. „Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennen sich damit aus und können somit an beiden Standorten arbeiten“, sagt Chemelli. Je ein erfahrener Radiologe, eine erfahrene Radiologin ist für die Standortorganisation zuständig – in Baden Oberarzt Dr. Hermann Fellner, in Mödling Oberärztin Dr. Elisabeth Hoffmann.
Die frühere Bezeichnung „Radiologie-Institut“ hat sich gemäß den neuen Schwerpunkten geändert – es heißt nun Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie. Die Radiologie hat sich generell gewandelt – weg vom rein diagnostischen Fach hin zur Therapieform. Unterstützt von Bildern, die Röntgen, Ultraschall-Geräte, Computer- oder Magnetresonanztomographen liefern, führen Radiologen selbst mittlerweile an vielen Organsystemen minimal-invasive Eingriffe durch und ersparen Patienten damit größere Operationen. Beispielsweise lassen sich auf diese Weise verschlossene oder verengte Gefäße wieder öffnen. Chemellis Steckenpferd ist die interventionelle Radiologie samt Angiographie, er leitete sechs Jahre die Abteilung für Angiographie und interventionelle Radiologie an der Universitätsklinik Innsbruck. Mit einem versierten Team hat er nun auch in Niederösterreich diesen Schwerpunkt gesetzt.
Für die Zukunft wünscht er sich, „die angebotenen interventionellen Therapieverfahren zu intensivieren, durch neue Behandlungen zu erweitern und so den Standort Baden als Gefäß- und Tumorzentrum zu stärken.“ So soll – in enger Zusammenarbeit mit der Chirurgie und der Abteilung für Innere Medizin – die Behandlung der Arteriellen Verschlusskrankheit der Becken- und Beingefäße weiterentwickelt und die minimal-invasive Therapie von bösartigen Tumoren der Leber durch Chemoembolisation und Thermoablation ausgebaut werden.

Einige Neuerungen

Eine weitere Neuerung ist die Ärzterotation: Kolleginnen und Kollegen aus Baden arbeiten etwa monateweise in Mödling und umgekehrt. Denn jeder Standort hat seine Schwerpunkte, nicht alle Untersuchungen werden überall gemacht: In Baden überwiegen Angiographien, Punktionen und Kernspintomographie; in Mödling – bedingt durch den Kardiologie-Schwerpunkt – die Computertomographien des Herzens. In Mödling ist zudem die größte Geburtenstation des Landes beheimatet sowie die Kinderabteilung mit Schwerpunkt Kinder-Ultraschall und der Traumatologieschwerpunkt.
Die Rotation biete viele Vorteile, sagt er: „Durch die unterschiedliche Bandbreite an Untersuchungen lernt man immer neue Modalitäten kennen, ist immer up-to-date, damit man nicht zu einseitig wird.“ Der Primarius ist stolz darauf, dass die Teams an beiden Standorten freundschaftlich und gut zusammenarbeiten, sich bei Engpässen wie etwa Krankenständen aushelfen: „Die Motivation, neue Dinge anzugehen und sich kontinuierlich fortzubilden, ist bei meinem Team sehr hoch, das sieht man direkt in der hohen Fachkompetenz und in der Zahl an Untersuchungen und Eingriffen, die wir anbieten. Besonders freut es mich, dass dieses Wissen bereitwillig an die jüngeren Kolleginnen und Kollegen weitergegeben wird.“
Erleichtert wird die gute Kooperation der Standorte Baden und Mödling auch durch die geographische Nähe. Daher ist eine optimale, regional abgestimmte Versorgung umso wichtiger: Jeder Standort hat seinen Schwerpunkt und bietet unterschiedliche Untersuchungen an. So werden bestmöglich Synergien genutzt, Kompetenzen gebündelt und die Behandlungsqualität gleichzeitig gesteigert.

Das Radiologie-Team (Ärzte und RTs):

11 Ärztinnen & Ärzte
36 Radiologie­technologinnen & -technologen (RT)

Aufgaben & Kompetenzen

Das Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie des Landesklinikums Baden-Mödling deckt das komplette radiologische Untersuchungsspektrum ab. Neben der klassischen Röntgenaufnahme bietet das Institut alle modernen Untersuchungsmodalitäten wie Ultraschall, Mammographie, Computertomographie, Magnetresonanztomographie und Angiographie an. Das Institut ist vollständig digitalisiert, das heißt es werden keine Bilder mehr ausgedruckt, sondern alle Bilder am Computerbildschirm analysiert und befundet. Alle radiologischen Geräte an den Standorten Baden und Mödling sind miteinander durch eine schnelle Datenleitung verbunden und Bilder und Befunde können unabhängig vom Ort der Aufnahme betrachtet und befundet werden (PACS, Teleradiologie).
Die interventionelle Radiologie beschäftigt sich mit der Behandlung verschiedener Erkrankungen auf minimal-invasivem Wege. Diese Behandlungen werden gesteuert und kontrolliert durch radiologische Untersuchungsverfahren (Ultraschall, CT, MRT, Angiographie).

Informationen: www.baden.lknoe.at, www.moedling.lknoe.at